48 Vorrede D. Baumgartens.
lassen: je mehr der Augenschein meiner manchen Stellen beigefügten Anmerkungenjederman überzeugen wird/ daß ich weder die Verfasser vor unfelbar, noch ihre Arbeitvor unverbesserlich halte, noch auch aller ihrer Meinungen mich theilhaftig machenmöchte. Ob ich gleich von Geringschätzung der überwiegenden und vorzüglichenGüte dieser Schrift, und der unleugbaren Verdienste ihrer Verfasser, eben so entfernet,auch von allen Kennern solcher Arbeiten versichert bin, daß sie keine wahre Feler ent-decken werden, ohne zugleich die GeschicklichkeU und den Fleis dieser Schriftsteller zubemerken; ja daß, je fähiger jemand zu Entdeckungen der erstem Art ist, folglich not-wendig mehrere Geschichtbücher geprüft und in Untersuchung von Geschichten selbstgearbeitet haben mus, die Ueberzeugung vom letztem, und billige Beurtheilung derganzen Arbeit bey demselben um soviel unausbleiblicher seyn werde.
Es belaufen sich aber diese Vorwürfe ihrer steigenden Erheblichkeit nach auffolgende sechs Stück: r) man habe keinen Mangel an Gefchichrbüchern, auch alge-meinen Historien, könne dieselben naher bekommen, ja anderswo eben so gut schrei-ben als in England; 2) dieses Werk sey viel zu weitläufig, auch von langwieri-ger, wo nicht gar ungewisser und zweifelhafter Vollendung, wenigstens zu kostbarund theuer, als daß es jedermans Sache seyn solte, dasselbe abzuwarten uno sichanzuschaffen; z) es enthalte viel gememe und höchst bekäme Dinge, die in andernBüchern zum Theil eben so gut, zum Theil aber besser und ausfürlicher abgehandeltworden; 4) bey aller dieser Weitläufigkeit, ja selbst um derselben willen, sey zu be-sorgen, daß die neusten und angelegentlichsten Geschichte, sonderlich unsers Vater-landes und anderer den Engländern auswertigen Völker, sehr mangelhaft undunvolständig möchten vorgetragen werden; 5) es sey unleugbar, daß darin viel freie,seltsame und wirklich irrige Meinungen, auch nickt selten anstößige und ärgerlicheStellen vorkommen; 6) sey endlich die unrichtige Zeitrechnung der samarirani-sehen Bücher Mdsis, so die Verfasser angenommen, ein Hauptirtum, der ihre Ar-beit unbrauchbar, ja gefärlich mache.
Der erste Emwurf ist wol unstreitig der allerbeantwortlicbste. Es könnenund werden andere Geschicktbücher, auch Abhandlungen der algemeinen Historieallen Werth behalten, der ihnen zukomt, und weit dauerhafter ist, wenn er nichtauf einem Mangel und einer Seltenheit änlicher Schriften beruhet, ja alsdenn durchVermemng ihrer Anzal um soviel merklicher und schätzbarer wird. Kürzere Auszü-ge und eigentliche Lehrbücher der algemeinen Geschichte bleiben nicht nur bey solchengrdssem Werken unentberlich, sondern werden es vielmehr durch dieselbe. Die Aus-fertigung eines gleichen oder bessern und nützlichern Werks, wird dadurch niemandenvetweret, auch nicht einmal zweifelhaft gemacht, daß solches an sich überhaupt, oderauch anderswo als in England, möglich sey- Die Engländer haben, so wenigals irgend ein ander Volk, weder dreGelersamkert und Wissenschaften, noch auch vieAusarbeitung guter und gründlicher Schriften dergestalt gepachtet, daß nicht der Am