52 Vorrede D- Baumgartens.
chern müssen Unrichtigkeiten der ertheilten Nachrichten von andern irrigen Sätzenunterschieden werden, die beiläufig und in manchen Erleuterungen der Geschichtevorkommen möchten: da billige Leser von eines Geschichtschreibers gottesdienstlichemund philosophischem Lehrbegrif abgehen und denselben vor irrig halten tönten,ohne Nachtheil der Güte seiner Geschichte. Ja selbst historische Unrichtigkeitenmachen Geschichtbücher noch nicht verwerflich, wenn sie von der erweislichen Rich-tigkeit des gröften Theils der Nachrichten überwogen werden, und keinen vorschli-chen Mangel der Aufrichtigkeit erweisen: indem man sonst lauter unfelbare Geschicht-bücher verlangen würde. Das Urtheil von anstößigen und ärgerlichen Stellen so-wol als Jrtümern, ist bey verschiedenen Lesern höchst verschieden, und erstrecket sichbey manchen so gar bis auf alle Erzälungen lasterhafter Handlungen und von andernbehaupteter Jrtümer, ja bis auf alle deutliche Meldung mancher natürlichen Dinge,die man bey genauer Beobachtung des Wohlstandes aus höflicher Sitsamkeit undEhrbarkeit mit Stilschweigen zu übergehen oder behutsam zu umschreiben pflegt; anwelche Regeln der Höflichkeit sich unsere Verfasser eben nicht allezeit gebunden haben.Ob ich nun gleich eine und andere Meinungen der Verfasser allerdings vor irrig halte,auch nicht alle Stellen vor unanstößig ausgeben möchte; vielmehr aus der Absicht,allen besorglichen Anstos zu vermeiden, meinen Anmerkungen manche Prüfungenund Widerlegungen einverleibet Haber so halte mich doch versichert, daß nicht nurder richtige und »»anstößige Inhalt dieses Werks, nebst der darin enthaltenen glück-lichen Bestreitung von Jrtümern, das Gegentheil weit überwiege, sondern auch derGelersamkeit, und sonderlich den Geschichten, schlecht würde geraten werden, wenn. man keine andere als von allen Jrtümern erst gereinigte oder mquistnonsmaßigverstümmelte Bücher lesen und bekant machen solte.
Eben so wenig billige ich die zuletzt, und stchstens, diesem Werk vorgeworfenesamM'irermsche Zeitrechnung, deren Widerlegung in mehrern meiner Anmerkun-gen vorkomt: kan aber um deswillen der ««gegründeten Folge einer Unöcauchbar-keit und Gefarlichkeit des ganzen Werks nicht beitreten. Die ganze Verschiedenheitder Zeitrechnung betrift die Geschichte der heiligen Schrift, und zwar eigentlich auchnur in den ältesten Zeiten, kan auch von jederman leicht geändert werden, weil dieVerfasser die hebräische Zeitrechnung ebenfals gehörigen Orts gemeldet haben.Der Zeitrechnung unkundige, ja zuweilen unfähige Lessr werden durch diesen JrturNnicht gestöret werden, andere aber schon gewont seyn, Geschichtbücher zu lesen und zunutzen, deren Verfasser verschiedene Gebäude und Lehrbegriffe oder Meinungen derZeitrechnung angenommen haben (50).
Was
(zv) Was fiust noch von möglichen Einwür- Quellen selbst schöpfen könte, wenn er sie nurstn gegen die Nutzbarkeit und Güte dieser alge- alle Hätte, auch soviel Fähigkeit verschiedenermemm Geschichte gemeldet werden könte, be- Sprachen und anderer Hülfsmittel besässe, ai/trist alle ausfurliche Abhandlungen der algemei- dazu erfordert wird, ja nicht öfters der dmu n^nen Historie; die freilich jederman aus den tigen Zeit ermangelte.