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Vorrede der Verfasser.
Bevor er seine Geschichte anfieng, durchreisete er ganz Griechenland, Italien und Egy- ,pren, um sich nach dem Ursprung, den Ueberlieferungen und Urkunden der Völker zu erkün- i
digen, von welcben er zu schreiben gesonnen war. Sein Hauptzweck gieng dahin, die Krie- 1
ge der Perser wieder die Griechen, von der Regierung Lyrus bis auf den Xerxes, zu be- >
schreiben; er breitete sich aber zugleich auf die Geschichte andrer Völker aus,, namentlich der !
Lydier, Ecffprer und Scythen. Diese Geschichte theilte er in neun Bücher, und gab >einem jeglichen den Namen von einer der neun Musen; welches ihm Cephalion, Bionder Redner, und P. Aurelius Opilius nachgethan haben: wiewol einige in den Gedankenstehen, daß seine Bücher nicht von ihm selbst, sondern von den Bewunderern seines Werks i
mi.t solchen Namen seyn beleget worden. Er las seine Geschichte, wie Lucianus uns be- «
richtet, auf dem öffentlichen Schauplatz zu Olympia, in sehr zalreicher Gegenwart von Zu-- i
Hörern ab, so die vornemsten Männer aus ganz Griechenland getvesen, welche sich versam- e
let gehabt, die olympischen Spiele zu feiren; und er wurde so gar mehr bewundert, als die- r
jenigen, welche die Preise davon trugen. Eufebius sagt, daß solches nicht zu Olympia, s
sondern zu Arhen geschehen sey, an dem panachenamfest. Bey dieser Gelegenheit hat sichs r
zugetragen, daß Thucydides ob er gleich nur achtzehn Jahre alt gewesen, dermaffen von c
einer rümlichen Eifersucht gerüret worden, daß er beschlossen, die Verfertigung einer Ge- f
schichte zu unterncmen, und sich zu bestreben, es dem Herodocus gleich oder zuvor zu thun. ?
Die Geschichte Herodsrus ist vom Tullius, Horrensius, Ouincilian, und allen besten §
Kunstrichtern des Altertums, allen Geschichtschreibern zum Muster vorgestellet worden. §
Was die Warheit seiner Nachrichten betrift, so müssen wir geliehen, daß sie von Man- ^
. nern von nicht geringem Ansehen in Zweifel gezogen worden. Ccest'as zweifelt an der ^
Warheit dessen, was er von den Medern und Assyrern schreibt; wir werden aber hernach ^
darthun, daß dieser Geschichtschreiber wenigem Glauben verdiene, als Herodocus. Ma- ^
necho tadelt ihn deswegen, daß er in der egyprifchen Geschichte viel falsches vorgebracht ^
habe; welche Beschuldigung nicht ganz ohne Grund ist, immassen er selbst gestehet, daß '
seine Erzälungen von dem, was vor des pfammicichus Regierung geschehen, so auf ande- '
rer Glaubwürdigkeit beruhen, nichts weniger als gewis seyn. Niemand aber hat die *
Glaubwürdigkeit des Herodocus mit mehrerer Giftigkeit angegriffen, wenn uns dieser Aus- f
druck erlaubt werden kau, als Hlucarch; dessen Urtheil von grosser Wichtigkeit seyn würde, s
wenn er nicht selbst angezeiget hatte, daß die Ehre seines Vaterlandes ihn in den Streit ver- .
wickelt habe. Herodocus meldet, bey des Terres Feldzuge seyn die Thebaner für ihre eigne ^
Sicherheit besorget gewesen, und mit Verlassung der gemeinen Sache zu den per,ern über- c
getreten. Ohnerachtet nun solches eine Sache ist, die eine Begebenheit betrift, und De- c
mosihencs nachgehends eben dis den Thebanern vorgeworfen: so tonte doch plucarchus, ^
der aus der chemischen Stadt Charonäa bürtig gewesen, nicht ertragen, daß die nieder-trächtige Auffürung seiner Landsleute aufdie Nachkommen gebracht worden; sondern er lies §
seinen Zorn wieder den Geschichtschreiber ihrer feigen Mutlosigkeit ausbrechcn, in einem z" s,
dem Ende geschriebenen Buche unter der Aufschrift, von der Bosheit des Herodocus« o
Allein, seine Einwendungen sind entweder unerheblich, oder betreffen Begebenheiten, die He- «
rodscus selbst für zweifelhaft ausgiebt. Uebcrdis verrät er in dem ganzen Werk sehr viel ^
Leidenschaft, Vorurtheile und Unart. Im Gegentheil aber hat ganz Griechenland durch n
seinen feierlichen Beifal ein deutlich Zeugnis von desselben Warhaftigkeit abgelegt, zu einerZeit, da die meisten Begebenheiten, so er beschreibet, sehr gut bekam gewesen. Aus seinesganzen Werke leuchtet eine besondere Aufrichtigkeit hervor, welches seine Feinde selbst habe"
erkenne"