Vorrede der Verfasser. 8i
aus allen alten Geschichtschreibern erhellet, die sich vielfältig darauf berufen. Es ist vernünf-tig anzunemen, daß die Geschichtschreiber sowol hieraus als aus den Dichtern ihre Geschicktegenommen haben, und folglich eben den Glauben verdienen; ja die Dichter selbst arbeite-ten öfters mit schon zubereiteten Materialien, und verfallen nur in Versen, was sie in denJahrbüchern ihres Landes verzeichnet funden. Wer kan aber dafür gut seyn, daß die Prie-ster, die bey den meisten Völkern die Verfasser der ersten Jahrbücher gewesen, nicht ausAberglauben viele Erdichtungen eingeschaltet haben? Nun kan es zwar geschehen seyn, daßdie Priester, aus Eifer vor die Verehrung ihrer Götter und weil es ihr Vortheil zu erforderngeschienen, das Volk mit falschen Wundern zu Hintergehen, dergleichen in ihren Nachrich-ten wol hin und wieder mögen ausgestreuet, und ihre Götter in die vornemsten Handlungengebracht haben. Und in diesem Stück haben sich die besten Geschichtschreiber selbst man-ches aufbinden lassen. Allein, was konten doch wol die Priester vor Bewegungsgründe ha-ben, sich in den Haupterzalungen von Kriegs- und Regierungssachen, neuen Verfassungen,Verträgen, Absterben der Fürsten u. d. einer Erdichtung schuldig zu machen. Das An-bringen von Wunderwerken ist ein Misbrauch, den der Aberglauben in alle Geschichte vonder Welt gebracht. Hat nicht die Leichtgläubigkeit so gar in die neuern Geschichte tausendWunderwerke eingeschaltet? und sind diese Geschichte darum in Absicht der Hauptbegeben-heit weniger zuverläßig?
Es ist an dem, daß die meisten Denkmale des Altertums verlorengegangen; allein,sie waren grossen Theils zu der Zeit noch vorhanden, als die Geschichtschreiber, deren Werkeauf uns gekommen sind, geschrieben haben. Ueber dieses sind doch nicht alle öffentlicheDenkmale verloren worden, ob gleich viele derselben durch Kriege, Zeit, unvernünftigen Ei-fer und andre Zufalle zernichtet worden. Die wenigen Begebenheiten, so wir noch in denältesten Schriftstellern übrig haben, geben einen Vorrat von Materialien an die Hand, dieman mit Hülfe der Richtkunft, deren Amt es ist, Warheit und Erdichtung von einander zuentscheiden, ohne Gefar in Jrtmn verleitet zu werden, gebrauchen kan. Die Ucberbleibseldieser ehrwürdigen Geschichtschreiber, so hin und wieder bey andern Schriftstellern aufbehal-ten worden, sind gleichsam so viel Stralen, die da mitten in devWunkelheit, welche die er-sten Zeiten umzogen, dienen, einen Weg durch den zerfalnen Steinhaufen zu finden.
^ , Auch ist der Mangel von Uebereinstimmung der Verfasser mit einander kein gewisser
Veweis, daß sie feinen Glauben verdienen. Wir finden ja öfters in den Dingen, die in"^n.^agen und fast vor unsern Augen geschehen sind, vielfältige Verschiedenheiten in den^stackrrchten derer, die Augenzeugen gewesen, von dem, was sie erzälcn. Die Umstände ei-ner Schlacht werden von denen, die sich dabey besonders hervor gethan haben, nicht immerauf emmey An erzalet. Die nächsten Vorwürfe erscheinen verschieden, nach Beschaffen-er der verschiedenen Orte des Augenscheins der Zuschauer. Einbildung, Vorurtheil lindParteilichkeit brmgen oft den Verstand des Menschen in Verwirrung, und daher entstehenalle die Verschiedenheiten, die wir in den Schriften finden, welche den ersten Geschichtschrei-bern besonderer Volker zu Denkbüchern gedienet haben. Dieser Mangel der Zusammen-stimmung unter den Schriftstellern hat die Mühe, sie in einen Körper zusammen zu bringen,nicht wenig vermeret. Wir sind öfters in Ansehung der Wahl und des Vorzuges zweifel-haft gewesen, und haben uns allemal sorgfältig angelegen seyn lassen, wenigstens in den An-merkungen die Verschiedenheiten anzufüren, die wir bey verschiedenen Schriftstellern ange-
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