14 > Einleitung zur algemeinm Welthistsrie
Schöpfung, Und von der Untheilbarkeit der Dauer des götlichen Wesens hergenommen.Sie sind aber schon folgendermaßen beantwortet worden ("): Man setzt voraus, daßunter allen möglichen Dingen, die GOtt erkant hat, ehe er den Ratschlus der Schöpfunggefasst, eines derselben eine aufeinander folgende Dauer ohne Anfang und Ende gewe-sen, deren Theile eben so voneinander unterschieden, als die Theile einer möglichen Aus«denung, welche sich GOtt ebenfals vor seinen Ratschlüssen, als unendlich, nach ihrer drei«fachen Abmessung vorgestellet hat. Den einen Theil nun dieser unendlichen Dauer hatGOtt in dem Stande der blossen Möglichkeit gelassen, und die Wirklichkeit des andern be-schlossen. Von dieser sich vorgestelten Dauer aber hat er den Augenblick erwälet, der ihmgefallen, der erste wirkliche zu seyn, und damit die Handlung verknüpft, wodurch er dieSchöpfung der Welt beschlossen. So daß die Ewigkeit dieser Handlung die Ewigkeit derWelt gar nicht beweiset; so wenig als die Unteilbarkeit der wirklichen Dauer GOttes dar«thun kan, daß die Welt keinen Anfang gehabt ?).
§. 12 .
Beschlus der- Mit dem allen aber ist der scholastische Unterscheid zwischen der Dauer GOttes undselben. stiner Geschöpfe, worauf der ganze vorhergehende Streit beruhet, ob er gleich von den be-sten heidnischen sowol als christlichen Weltweisen durchgängig angenommen worden, undwenigstens so alt ist, als der parmenides *), dennoch von vielen gelehrten und scharfsin-nigen Männern bestritten und als unbequem, ja unbegreiflich (^), verworfen worden.
Denn
5) Siehe OiÄIon. l. c. Inkcll, x. z 88 -
Da es noch gar ungewis ist, ob Bayleunter die Bestreiter oder Vertheidiger der Ewigkeitder Welt gehöre; wenigstens gewis ist, daß er dieSchöpfung derselben in der Zeit sowol als ihreEwigkeit zweifelhaft zu machen gesucht: so solteman beinahe zweifeln, ob er diesen Beweis wiederdie Ewigkeit der Welt im Ernst vor eine Wiederle-gung derselben gehalten ; wenn nicht andere änli-che Fälle höchst verworner Begriffe und unrichtigerSchlüsse in seinen philosophischen Abhandlungenbegreiflich machten, daß seine Art zu denken der-gleichen gar wol zugelassen habe. Daß die Ver-fasser dieser Einleitung aber diesen Beweis zu billi-gen scheinen, kan eher entschuldiget werden: indemman bey Samlung historischer Nachrichten von an-derer Meinungen und derselben Wiedcrlegnngsnnicht allezeit im Stande ist, die Schärfe und Schwä-che derselben hinlänglich zu prüfen, oder die vonandern begangene Feier zu entdecken und zu verbes-sern; überdis auch die Geschicklichkeit in genauerUntersuchung geschehener Begebenheiten. von derEinsicht in algemeine und scharfsinnige Warheitendergestalt unterschieden ist, daß eine ohne die anderewol stat finden kan, ob sie gleich beide füglich bei-sammen bestehen, ja einander in manchen Fällensehr dienlich sind. Die Hauptfeler dieses Barli-schen Vortrags bestehen kürzlich darin: daß >) dergütliche Ratschlus von Schöpfung der Welt als ei-ne, solche Handlung GOttes vorgestelt worden, vorwelcher verschiedene andere Handlungen und Rat-
schlüsse, ja selbst die vorgegebene Schöpfung der Zeitvorhergegangen, wodurch derselbe aufhört ein ewi-ger Ratschlus zu seyn: r) daß die Möglichkeit ei--ner auf einander folgenden Dauer ohne Anfang undEnde voraus gesetzt worden; die doch nicht nurun-erweislich, sondern auch unleugbar falsch und wie-dersprechend ist; daher sich GOtt dieselbe auch nichtvorstellen oder sie wirklich verschaffen können. Sowenig eine bestirnte Zahl ohne Einheit und An-fang gedacht werden kan, obgleich eine unendlicheoder unaufhörliche Vermerung derselben stat fin-det: eben jo wenig läst sich eine Reihe auf einan-der folgender, folglich ausser einander befindlicherDinge, ohne ein erstes unter denselben, oder ohneAnfang denken. Und ;) daß dabey eine Schö-pfung der Zeit ohne auf einander folgende Dinge vor-gegeben worden; welche so wiedersprechend ist alsdie Wirklichkeit einer Eigenschaft, ja Beziehungs-und Vechaltniszufälligkeit, ohne Wirklichkeit ei-nes vor sich bestehenden Dinges, dem dieselbe zu-komme; folglich eben so wenig gedacht werden kan,als daß GOrt eine Zahl oder einen gewissen Theilderselben aus dem Stande der blossen Möglichkeitin den Stand der Wirklichkeit verseht, ohne zälbareund gezälte Dinge zu erschaffen.
(>L. B.) Der Ausdruck der Unbegreiflichkeitist oft sehr zweideutig. Wird dadurch der Mangelund die Unmöglichkeit einer anschauenden oder garstniichen Vorstellung, oder auch eines ausfüriichenBegrifs und Erklärung der völligen Möglichkeit ei-ner