zweiter Abschnit. 37
diese Einbildung des Orpheus sehr ausschweifend gewesen: so hat ihn dennoch der grosseHaufen der heidnischen Griechen nicht als einen blossen Poeten, sondern als einen hehligen und tiefen Philosophen angesehen, und voraus geseHet, daß alle seine Fabeln vonden Göttern geheimnisvolle Bilder seyn, die einen verborgenen Verstand enthalten. Da-her man viel Ehrerbietigkeit und Hochachtung vor ihm gehabt, als einem, dem götliche Of-fenbarungen wiederfaren (^): sogar daß Celsus vermeinet, die Christen könten eher denOrpheus für einen Gott annemen,, als JEstrm Christum, indem derselbe ganz unstrei-tig mit dem Heiligen Geiste erfüllet gewesen, und gleichfals einen gewaltsamen Tod erlittenhabe t).
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Ohnerachtet nun dieser Orpheus ein grosser Beförderer der Vielgötterei gewesen; Weitere be.h hat man nichts destoweniger geglaubet, daß er eine allerhöchste und »»erschaffene Gotheitfür den Ursprung aller Dinge erkant habe. Welches sonderlich daher kommen, weil nichtdur die zwey gottesdienstlichsten Parteien der Weltweisen, die Ppthagoräer und plaro-lliker, sehr grosse Hochachtung gegen ihn bezeuget und ihn gemeiniglich den Theologumgenant; sondern auch davor gehalten wird, daß dieselben ihre philosophischen und theo-logischen Begriffe gutentheils ihm zu danken gehabt, und dieselben aus seinen Lehren undUeberlieferungen angenommen ^). Diese vortheilhaste Meinung vom Orpheus wird garMerklich bestätiget, wenn wir annemen, daß der Auszug aus der orpheischen Cosmo-»gonie, welcher geraume Zeit nachher vom Timotheo Chronograph«» verfertiget wo»den, die wahre Meinung dieses Poeten enthalte (^). Denn derselbe meldet', daß O»pheus die Erzeugung der Götter, die Erschaffung der Welt, und die Bildung der Men-schen beschrieben, und dabey ausdrücklich bezeuget habe, daß er nichts aus eigener Erfin-dung vortrage, sondern wie er von dem phoebus, Titan, oder der Sonne, auf sein Er-suchen unterrichtet worden. Welcher Vertrag dann kürzlich darin bestehet, daß anfänglichdtt Aether oder Himmel von GOtt sey erschaffen worden, der auf allen Seiten mit deml^haos oder einer finstern Nacht umgeben gewesen, die alles, was sich unter dem Aether
E z befun-
n 1.7. p. Z67. sx>. loc. cit.
^tlqnd, ckudworth und Theoph. Gale sehrstufig berufen, ist ein Auszug, so aus einer Sam-Vg aller darin vorkommenden Stellen von denMeinungen und Lehrbcgriffen alter Weltweisen be-acht, von Joh. Thristoph Mols seinen snecllat.^ einverleibet worden, toin. z p. 197-262, darinM mehrere Nachrichten von dieser orphischen^vstnogonie anzutreffen sind.
Von den Begebenheiten, Schriften undMeinungen Orphei handelnAndc.Thrift.Escken^, sywo! jn der von ihm besorgten Ausgabe derSchriften desselben, als noch ausfürlicher, obgleichunparteisch und zuverläßig genug, in LpiZe-^ kle poeli orpbics, k. in prilbss aipbicoroiu csr-?"Nii,n mcmoriss libro cvmmentsrio ; La-xr. libr. 1 c. 18. »9. 20 vol. 1s,' 'lo-izs, und Herr Drucker biü- pbu. tom. i
In der Nachriclit von dieser orphi-^osmogom'e hat Banier in der myib. expl.
' ^ e. z rou>. ^ j,. 189 diese Einleitung sehr
H 87g. Intel!. I. c.
ausgeschrieben, ohne sie anzufüren. AnderweitigeUntersuchungen derselben sind ausser den hier be-reits gemeldeten Schriften zu finden in den abler-nst. bsllens. toiir. 6 obc 2Y, alwv Buddeus dochblos einen Auszug aus Esclienbachs Arbeit er-theilet, da er sonst diesen Lehrbegrif für spinozisti'schausgegeben bitt. eecl. V. t. t. 1 p. 1077 äe skkeis-mo c. I §. 9. und in des Hrn. Abt MosheinisAnmerkungen zum Ludworrh c. 4 §.17 n.
P. g; 7 - Und äillert. äe crestinne ex nibilc» §. icrp. 969, welcher nebst Herrn Drucker b pk. t. lp- zg6 der alhier vorgetragenen Meinung beipflich-tet, daß der orphische Lehrbegrif GOtt von dereigentlichen Schöpfung der Welt ausftbliesse, undtheils ein notwendiges Daseyn der Materie inGOtt, theils eine eigene Bildung derselben ohnegötliche Wirkung entkalke, obgleich Grotius, -Hue-tius, Dick'mson, Ludwortb und Burnet durchdie »nachten Berichte der platonisckien Sckrift-steller davon und ihre gewönliche Vorurtheile ver-leitet Worden, das Gegentheil zu behaupten.