zweiter Abschm't. Zl-
Ehaos seyn von gleicher Wärung. Man hat aber bemerket, daß sowol die alten alsNeuern Schriftsteller, die uns jener Meinungen überliefert haben, sehr ofte das eigentlich sogenante Universum mit dieser untern Welt vermengen, und dasjenige, was sich nur auf einsvon beiden beziehet, entweder von dem andern, oder ohne Unterscheid auf alle beide deuten;und daß von dem alhier gemeldeten Aether die himlischen Körper, oder die erste Schöpfungvon Dingen herrüre, von dem Chaos aber diese unter dem Mond gelegene Welt, das ist,unsere Erde und andereihranlicheWeltkörper in verschiedenen Entfernungen. WelchrDin-ge genau hatten unterschieden werden sollen, sowol in Absicht der Materie als Zeit: da ringe-schickte Schriftsteller sehr oft diesen nötigen Unterscheid aus der Acht gelassen ch.
§. z6.
Wobey nicht undienlich seyn wird, zu bemerken, daß Orpheus nebst andern morgen- Anmerkungenindischen Lehrern die Meinung von einem lVeltep (^) zuerst unter den Griechen darüber,scheint eingefürt zu haben, die er vermutlich von den EMprern gelernek, als welche unterDiesem Bilde die Welt vorgestellet; so verschiedene andere Völker glekchfals gethan ")»
Die Phönicier, wie wir oben gesehen haben, legeten ihren Zophasemin, so die Him-melskörper gewesen, die Gestalt eines Ey bey, und beteten bey den Orgien des Bac-chus ein Ey an, als ein Bild der Welt «). Eben diese Vorstellung und Vergleichung isthernach bey den Chaldaern, Persern, Indianern und Chinesern gebraucht worden,wie wir im nachfolgenden sehen werden; und solches nicht nur um der äußerlichen Gestaltwillen, sondern auch der innerlichen Zusammensetzung wegen, als dessen äussere Schale denHimmel, das Weiße die Luft, das Gelbe aber die Erde abbilde»); obwol andere dieseAenlichkeit anders bestimmen §). plutacchus hat daher angemerket ?), daß die Fra-ge: Ob das Huhn eher gewesen als das Ey, oder das Ey eher als das Huhn ? in der Thatkein Scherz sey; sondern nach der Lehre des Orpheus die erste Erzeugung aller Dinge insich fasse; und der Verfasser der Gesänge, die man dem Orpheus insgemein zuschreibet,berichtet, daß der erstgeborne Gott, welchen die Griechen phanes genant, aus einemEy entstanden sey *). Athenagoras thut eben dieses erstgebornen Gottes Meldung,baß er aus dem Ey ausgebrütet worden, wie die Anhänger des Orpheus vorgeben *).
Eine andere Meinung der orpheischen Theologen darf alhier nicht vergessen werden, sobarin bestand, daß GOtt alles in allem sey. Welches doch nicht in einem so groben Ver-stände genommen werden mus, als ob dadurch aller Unterschied unter GOtt und den Ge-schöpfen aufgehoben worden; indem sie dabey nur folgende zwey Absichten gehabt und art-eigen wollen: Einmal, daß, weil alle Dinge von GOtt kommen, sie also auch gewisserMassen in ihm enthalten, folglich auch in einem gewissen Verstand er selbst seyn. Zumändern, daß die Welt, sv von GOtt hervorgebracht worden, und in der That ausser ihmbasey , deswegen von ihm nicht gänzlich getrennet sey, oder von sich selbst bestehe, als einleblos Ding, sondern lebendig mit ihm vereiniget sey, wesentlich von ihm abhänge, und be-ständig von ihm erhalten, belebt und durchdrungen werde. In diesem letzteren Verstandshaben auch einige Gottesgelerte unter den Christen GOtt Alles genant; als, wenn sie be-
hau-
r)vbl Niprs p. IZO. Sikhe öden § r8- ») in R^wpot. t,. 2, yu. z. ?tsr.
t.. 7. c. 16. 0) Spill! prob. 6rsin. »n kclvxm. 6. VirgNU. 7) Vili. II,
kkscnvm. c. 4. er l^eoris lscr. reN. t.. r. c. 10. er 1 ^, 1. c, 5 . p. 86. §) in
87171p. I.. r l)u. z. -) Uxmnur Via. äe tsUs lelixione l.. 1. c.5. 1)
in Icxsr. pru Lkriltisnis.
lsz. L>.) Es verdienet davon verglichen zu werden Joh Attdp. Schmids ciilx. äe ouo muntlsno.