42
Einleitung zur algcmemw Welthrstorie
§. 39 - '
Meinung des Es ist emegrosse Frage, ob Thales, der seiner Herkunft nach ein Phönicier gewesen,
Thales. den Beistand eines geglichen oder verständigen Wesens bey der Bildung der Weiterkam habe?
Cicero berichtet zwar, daß er der erste gewesen, der sich aufdie Untersuchung solcher Dinge ge-leget, und behauptet habe, GOtt sey das verständige Wesen, so alle Dinge aus Wass r erschüftfen habe ' Und Lacrnus meldet, er sey gewont gewesen zu sagen, daß GOtt das älteste un-ter allen Dingen, die Welt aber ein Werk GOtteö sey /). Aus der andern Seite aber gibts eineMenge von Zeugen darunter sich Cicero und Laertius selbst befinden ^), welche mit durch-gängiger Uebereinstimmung dem Anapago ras, einem seiner Nachfolger, die Ehre beilegen,daß er der erste gewesen, so allen blinden Zusal von der Einrichtung der Welt ausgeschlossenund dagegen ein vernünftiges Wesen angenommen, das die verschiedenen Theile derselben abge-sondert und gehörig zusammen gesüget. So daß, da alle Philosophen dieser ionischenPartey, die vor dem Anaxagoras gelebet, völlige Materialisten gewesen oder hylopa-rhische Atheisten, Aristoteles den Thales mit Recht scheine das Haupt und den Urbe-ber dieses Lehrbegrifö genant zu haben -). Die Veranlassung aber, daß seine Meinung soverschieden vorgestellet worden, kan gar wol gewesen seyn, daß er keine philosophischeSchriften oder eigene Nachrichten hinterlassen; indem Anaxagoras der erste philosophische 'Schriftsteller ist ^). Daraus es denn gar warscheinlich hergerüret, daß in den folgenden Zei-ten seine Meinungen von einigen so, von andern aber anders erkläret worden, und daß ihneinige als einen Thorsten, andere aber als einen Atheisten h vorstellen (^).
§. 4O.
Meinung des Solle aber auch Thales gerechtfertigt werden können: so kan doch sein unmittelbarerAnaxima». Nachfolger, Anaximander, von dieser Beschuldigung auf keine Weise losgesprochen wer-den. Denn dieser nam eine gewisse ursprüngliche und unendliche Materie an, ohne zu be-stimmen ob sie Lust, oder Erde, oder Wasser gewesen, welche er zum einigen Grundwesender ganzen Welt machetworaus die himlischen Körper, nebst unzaligen Welten, durch .geschehene Absonderung entstanden, und aus deren ewigen im Cirkel geschehenen Bewegung Ialle Erzeugung und Auflösung der Dinge herrüre. Dabey er denn vermeint, daß nachdem >
die '
,) öe nat. Vcarum VIIS 1'ksleris p.:i. io kliaeäone
IN?eric 1 e n. 154. lVlerapk. 1 .1. c. z. cje Lcrom. >.s. p. z64«
Ue prarp. kuanx. I. 4 c. 14 P-750. orar.Ue ciuir. O-i 1.8. c. L.
'Limscum. Kmx/ic-»- in S.M.ä- Ukys. susLulratione. -l- 6rnec. LiteQ. 8-r-n. I. x>. ^8y. L) c--
-je n.ir. v-ornm l. 1. x. z«. ;9- in ?. 8 r. >) Mehrers von dieser Frage siehe IN
L.I',/,' Dia. Kilt. -irr. rein.ir-)ue I). srrie. Tos/» r-rm. -t. I). lnteN. 8,liem. x>. Li. 1:4,
in -tn-lx-ixora p 86 20 . schreibet, daß Anapimander der erste gewesen,
der über die natürliche Philosophie etwas schriftliches hinterlassen. Allein der Theopompus beim
in l-kerecx-i- p. leget die Ehre dem Pherecpdee bey, als dessen Blich von dem Anfang aller Din« !
ge zu den Zelten des Laerrii noch vorhanden gewesen. >bw. p. /) 1. c. p. 1 -4 ,«) 7-/».
/placiriL kkilolopd-irum I, I. c. z, ünaximLN^ro I>. 78 in -Vrili, kk/tica
l. >. c. S.
(z? B.) In der Beurtheilung des Lehrbegrifs sem Stifter der ionischen Weltwelshelt zu verme«
vom Ursprung der Welt, den Thales vorgetragen, ren. Von deren Beschaffenheit Jac. Thomasir , >
deffon Voreltern Phönicier gewesen, er selbst aber Abhandlungen in den okseiuac. Kai. tom. 2, obft >
aus MiletUS, ist eben dieselbe Mittelstraffe nötig, 18' ri. jngleichen Herr D. -^eunian in sät. pkil- ^
so bey den griechischen Theogonien angezeigtwor- tom. g. p. l6o und sonderlich Hrn. Druckers k. pk. l
den (;6). Dabey denn die allster geschehene t. i p. zu vergleichen ist, alwo p. 4L8 von der« !
Rechnung dieser Tosinogonien unter diejenigen, so Verdacht der Atheisterey des Thales gehandelt, -
GOtt von der Schöpfung ausschlicssen, ihre Rich- und ein Verzeichnis der vornemsten Vertheidiger j
tigkeit behält, ohne die Anzal der Atheisten mit die- desselben ertheilet wird.