Band 
Erster Theil.
Seite
43
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zweiter AbsihmL. 4z

die Zeugungsgründe der Kälte und Wärme sich nach der Bildung der Welt von einanderabgesondert, sey ein feuriger Kreis um die Luft, so die Erde umgiebet, entstanden; und nach-dem derselbe zerbrochen und in kleinere runde Körper zertheilet worden, habe solches die Son-ne, den Mond und die Sterne verursacht"). Ferner gab er vor, daß die ersten lebendi-gen Geschöpft aus der Feuchtigkeit erzeuget worden, und zu ihrer Vertheidigung mit sach-lichen Rinden umgeben gewesen, welche bey zunemendem Wachsthum ausgetrocknet undzerborsten, daß die darin befindlichen Thiere hervorgekrochen, die aber nicht lange gelebec -).

Was die Menschen aber anlanget, so seyn dieselben in den Bäuchen der Fische erzeuget, unddarin so lange ernäret worden, bis sie die nötige Stärke, sich selbst zu erhalten, bekommen sworauf sie aufs trockene Land geworfen worden. Der Grund aber dieser so seltsamen Mei-nung vom Ursprünge des menschlichen Geschlechtes bestand darin, daß, da die übrigen Thierebald nach ihrer Geburt ihren Unterhalt suchen, der Mensch allein in seiner Kindheit einegar geraume Zeit lang von andern ernäret werden müsse, daher die Menschen im Anfangeauf keine andere Weise hätten erhalten werden können -).

Indem nun gedachter Annximander von diesem algemeinen Grundwesen behauptet,daß es unendlich sey; so haben daher einige neuere Schriftsteller, ja sogar unter den alten Cle-mens AlepandNNUS, wiewol ohne Grund, geschlossen?), daß er damit angezeiget habe, GOtkselbst, nach dem richtigen Begrif desselben, oder ein unendlicher Verstand sey die wirkende Ur-fach der ganzen Welt, und nicht eine dumme leblose Materie ch. Es ist aber ganz offenbar,daß diejenigen Götter, die er zugestanden, ihren Ursprung gleichfals aus dieser unendlichen Ma-terie gehabt, aus welcher, seiner Meinung nach, alles andere abgesondert worden, und in wel-che dereinst auch alles wieder aufgelöset werden solte: indem er geglaubt, daß die Götter«zeuget seyn, ihren Anfang und Untergang in gewissen langen Zeitläufen haben, ja daß dieseGötter nichts anders als unzälige Welten seyn <).

§. 4r-

Die Meinungen des Anaximenes sind in diesem Stücke sehr wenig von den Begrif-Meinung dessien seines Lehrers, Anapimanders, abgegangen. Denn er behauptet, daß eine unendliche Anarimenes.Luft») der erste Ursprung aller Dinge sey, daß aber diese daraus entstandene Dinge ins-gesamt endlich seyn, auch dereinsten wieder darein zurücke keren werden. Seiner Meinung"ach sind alle Dinge aus einer almäligen Verdickung und Verdünnung dieser Luft entstau-ben; daß die Erde, Wasser und Feuer zuerst hervorgebracht worden, hernach die übrigenTheile der Welt. Wobey er vermeinet, daß die Bewegung ewig sey; daß die Hitze der Son-ne von ihrem schnellen Lauf entstehe; daß die Luft die Welt zusammen halte, wie die Sele,

Welche er auch vor Luft gehalten, den menschlichen Leib erhalte«). Es scheinet zwar nicht,daß er das Daseyn der Götter geleugnet; doch ist er so entfernt gewesen, ihnen die Erschaf-fttng der Welt zuzuschreiben, daß er ihnen selbst ein Entstehen aus der Luft beigelegt").Plurarchus bemerket, nach Anfürung der Meinungen dieser zween Philosophen, daß siesich alle beide geirret, indem sie die Bildung der Welt nur der Materie zugeschrieben, ohneeinige wirkende Ursache; da doch die Materie an sich selbst so unvermögend sey, etwas her.

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