46 Einleitung zur algemeinen Welthistorie
Philosophie nennet, dessen Urheber Leucippus und Democrims gewesen^), und wel-chen hernach, doch mit einiger Aenderung, Epicurusgeleret, ob er wol nicht gestehen wollen,daß er feinen Lehrbegrif von irgend jemand entlenet habe ^).
Indessen, wer auch diesen Lehrbegrif aufgebracht haben mag, so ist gewiß, daß dersel-be eine weit genauere und schärfere Art zu philosophireir eingefüret habe, als vorher üb-lich gewesen. Denn die Aromisteil setzten alle Zahlen, Verhältnisse, Harmonien, Ideen,Qualitäten und elementarische Gestalten beiseite, und beflissen sich, unmittelbar die Kör-per selbst zu untersuchen, und derselben physische und mechanische Eigenschaften, Bewe-gung, Figur, Lage der Theile, Grösse u. si f. zu erwegen, woraus sie sehr vernünftig ihre ver-schiedenen Kräfte herleiteten, ihre Veränderungen bestimten, und derselben Wirkungen er-klärten: obgleich übrigens ihre Begriffe selbst, die sie von der Untheilbarkeit ihrer Aroms-rmm, von derselben wesentlichen Bewegungökraft und Richtung nach einer gewissen Ge-gend und änlichen Dingen gehabt, nicht nur ungegründet, sondern auch der gesunden Ver-nunft zuwieder gewesen
§. 4Z.
Beschaffen- Die Lehre nun, welche Leucippus und Democrims von dem Ursprung der Welkheil dieser rnei-gefüret, ist diese gewesen: daß sie eine unendliche Anzal von Atomis zum ersten Grunde al-uu»» ler Dinge angenommen, das ist, solche untheilbare Theilchen von verschiedener Grösse undGestalt, die sich von ohngefär, und ohne alle Bestimmung einer Absicht, von Ewigkeit herin einem unermeslichen Raum beweget, endlich aber dergestalt zusammen kommen und aneinander gestoßen, daß sie sich auf verschiedene Weise verwickelt und verknüpfet, und dadurcherstlich ein Lhaos von allen Arten der Theilchen verursachet; woraus nachgehends durch be-ständige Bewegung, Druck und Gegendruck derselben, ein oder mehrere Wirbel entstanden,darin nach verschiedenen Verbindungen und Auflösungen, abwechselnden Zufällen, wobeyalle erschliche Gestalten und Verknüpfungen versucht worden, dieselben Theilchen endlich in diegegenwärtige Gestalt und Verknüpfung geraten ")>
Diese Meinung komt nun, was die Bildung der Haupttheile der Welk anlanget, mitderjenigen, dieEpicurus angenommen, wie sie uns vomLucretius vorgestellet worden »),völlig überein; ausgenommen daß darin nichts von gedachten Wirbeln gemeldet wird,welche doch einen wesentlichen Theil der vorhergehenden ausmachet. Zu den zwo Eigen-schaften, welche Democrims den Atomis beigeleget, nemlich Grösse und Gestalt, hakEpicurus noch die dritte hinzu gefüget, nemlich Schwere, ohne welche er sich dieMöglichkeit ihrer Bewegung nicht vorstellen können ?). Da aber aus diesem Lehrbegrifdes Democrims eine unvermeidliche Notwendigkeit durch unausbleibliche Folge geflos-sen; indem die Anhänger dieses Lehrbegrifs dadurch, daß die Welt durch einen zufälligenZusammenlaufder Äromorum von ohngefär entstanden, nicht leugnen wollen, daß die Weltnach den ewigen Gesetzen der Bewegung dieser Atsmormn entstanden, sondern nur alle ver-ständige Ursach von der Hervorbringung derselben auszuschließen, solche Notwendigkeit hin-gegen, nach des Epicurus Meinung, alle Moralität aufhebe und aus der menschlichenSele nur ein blosses Uhrwerk mache: so hat er in dieser Absicht, die Freiheitdes Willens zu
retten,
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