220 i Hauptstück. Die algemeine Welrhistone bis auf dce Sündflut.
dazu sie die ausnemende Fruchtbarkeit des ersten Erdbodens gereizet, als mit Entdeckungenund geflissentlichen Erfindungen, deren sie vermutlich nicht so bedürftig gewesen, als ihre Nach-folger. Die Kunst in Erz zu arbeiten, ward erst in dem lehren Geschlecht der NachkommenLains erfunden; und die Musik, deren sie sich vermutlich bey ihren Lustbarkeiten bedienet,wurde von eben demselben Geschlecht zu keiner sonderlichen Volkommenheit gebracht, wo siegar vorher erfunden worden. Einige Schriftsteller haben gemeiner, die Astronomie seyvon den Leuten vor der Sündflut fleißig getrieben worden ; welches sich doch allem Anse-hen nach auf einen Jrtum Jostphi gründet"). Allein, es ist vermutlich, daß ihr Fort-gang, den sie in dieser oder irgend einiger andern Wissenschaft gehabt, nicht sonderlich ge-wesen seyn mag: indem es sogar noch sehr zweifelhaft ist, ob auch nur die Buchstaben vorder Sündflut bekant gewesen; wie an einem andern Orte dargethan werden sol; was auchimmer von einigen Gelehrten vorgegeben worden, die sich einen so hohen Begrif von 2ftdams Erkentnis gemacht, daß sie dieselbe beinahe vor algemein ausgegeben haden. Auchkan man aus den Büchern, welche diesem Erzvater, oder dem Sech und Enoct) beige-leget werden"), nichts erweisen, als welches gar zu grobe Betrügereien sind, die geringsteBetrachtung zu verdienen ('^).
§. 2Z7.
>s Was das gemeine Wesen und die bürgerlichen Verfassungen vor der Sündflut be«trift, so haben wir davon nicht einmal so viel Umstände, darauf sich Mucmassungen bauenliessen. Es ist warscheinlich, daß die patriarchalische Regkerungsart, so unstreitig dieallererste gewesen, beiseit gesetzet worden, als Tyranney und Unterdrückung einzureissenangefangen, und das vielzcitiger im Geschlecht Lains, als Sechs. Es scheinet auch, daß es
der gemeinen Wesen nur wenige gegeben habe, die aber aus einer weit grösser» MengeVolks bestanden, als irgend eins, so nach der Sündflut entstanden. Oder es möchte viel.mehr noch gar eine Frage seyn: obs nach der Vereinigung derzwey grossen Geschlechte, Lainsund Sechs, noch einigen Unterscheid bürgerlicher Geselschaften, oder überal einige Verschie-denheit der gemeinen Wesen gegeben habe. Indem warscheinlicher ist, daß damals dasganze menschliche Geschlecht nur ein grosses Volk ausgemachet, ob dasselbe gleich in einer Artder Anarchie gelebet, und in verschiedene unordentliche Geselschaften getheilt gewesen.Wie solches nun eine beinahe natürliche Folge ihres Gebrauchs einer gemeinen Sprache,so sie aller Warscbein ichkeit nach gehabt, gewesen: so ist es auch als ein Umstand anzusehen,der zu dem algemeinen Verderben viel beigetragen, welches sonst die Welt vor der Sündflutviel-icht nicht so durchgängig würde haben überschwemmen können. Und um dieser Ursachwillen scheinet hauptsächlich, so bald nur die Nachkommenschaft Noäh hinlänglich angewachsen,eine Vielheit von Sprachen wunderthätiger Weise eingefüret zu seyn, dieselbe dadurch
in
Sich« «he» den q Abschn- tz >8y. o) Siehe oben 1 . c. §. ,g6-187.
(i 7 ?.B.^Wie auf der einenSeiten dieWissenschaf-ten und Knuste der ersten Menschen gemeiniglich zurUngebur und olwe Grund, ja bis zur Unglaubüchkeitübertrieben werden: so kau man auch ini Gegen-theil die Unwissenheit der ersten Welt ungebürlichvergrößern. Bey dem so hoben Alter der Menschenhat die zeitige Erfindung mancher Künste und Er-weiterung von Einsichten nicht nur leichter erfolgen,sondern auch beinahe nicht unterbleiben können; die
selbst aus der sehr zeitigen Erbauung von Städtenerhellet, i Mos 4,17. Das Exempel der Merica-ner erweiset sonst, wie möglich es sey, daß ohne Ei-senwerk manche Künste ziemlich hoch getrieben wer-den: ob gleich l Mofi4.r.L nur von weiterer, leich-terer und künstlicherer Verfertigung solche Arbeitverstanden werden kan, wie v. ro von der Viehzuchtnotwendig geschehen muS.