Band 
Erster Theil.
Seite
372
JPEG-Download
 

Z72 m Hauptst. Geschichte Egyptens bis zu den Zeiten Alexartders des GroM

§. 42z.

Weitere Der oben gedachte Rhalii wird allemal sehr feierlich geöfnet, in Gegenwart des Bast ,

Schreibung ^ unter Begleitung seiner Hofbedienten, und einem Gefolg unzäliger Menge Volks; lN' ib b dem dieses einer von den grössesten Feiertägen in EIPpren ist ^). Man berichtet, daß dt<Eqyprer in den alten Zeiten bey dieser Gelegenheit dem Nil järlich ein Mägdgen, oder,nach anderer Bericht, einen Knaben und ein Mägdgen als einen Tribut vor alle von ihmempfangene Wohlthaten geopfert haben. Diese unmenschliche Gewonheit sol so lange g»dauret haben, bis die Türken sich Egpprens bemächtiget (*). Der erste Stathalter,unter welchem beschlossen wurde dieselbe abzuschaffen, brachte eö bey den Egyprern durwseine kluge Vorstellungen dahin, daß sie es unterließen. Allein zu allem Unglücke wuchsder Flus das Jahr nicht zu seiner gewönlichen 'Höhe. In dem folgenden Jahre war es nochschlimmer; so daß das Volk zu murren anfing, weil es eine Hungersnoth besorgte. Wo»auf der Stathalter alle Einwoner der Stadt, Türken, Juden und Christen, auf eine«Berg, gegen Morgen von al Fxahira fürete, und nach einer beweglichen Ermanung able, die zugegen waren, nötigte, den ganzen übrigen Tag und die folgende Nacht zu GOtt jübeten, um desselben Gnade zu erhalten. Den folgenden Morgen vor Tage kamen einigtWeiber, und verkündigten dem Stathalter mit grossen Freuden, daß der Nil die Nachtnicht weniger als zwölf Piken hoch gestiegen wäre. Worauf man nichts als Lobeser-hebungen GOttes und des Volks Freudengefchrey hörte. Wie sie von dem Berge herab-kamen, baueten sie an der Mündung des Canals einen Altar zehn Fus hoch, worauf sie eintgrosse Menge Blumen und einen Oelzweiq legten; so darauf, ihrem Vorgeben nach, daselbstWurzelgeschlagen, als eine GOtt wohlgefälligere Gabe, denn das erste unschuldige Schlacht-opfer. Sie errichten noch alle Jahre einen solchen Altar, welcher nebst den Blumen vondem Wasser umgerissen wird, wenn es bey Durchstechung des Dammes in den Rhaliifliestet. In dem Jahre, da sich dieses begab, stieg der Nil zwo Piken höher als gewön-nest, und erfolgte ein grosser Uebcrfluö. Seit welcher Zeit die abgedachte aberglaubige Ge-wonheit gänzlich aufgehoben worden, an deren stat, wann das Wasser seine gcwönliche Hö-

A) ViN, evril. vb'i tup.

Jahre giebt. Bleibt die Höhe des gestiegenen Was-sers nur von 16 bis 18 Piken, so ists ein zwar hin-länglicher, doch kümmerlicher Nil, 2,0 Piken ma-chen einen mittelmäßigen, -.r einen guten Nil.Steigt dieselbe über 24, so verursacht die Über-schwemmung einen Miswachs, weil alsdenn dasAblaufen des Wassers und die Austrocknnng desLandes zu spät erfolget, und die eigentliche Bcstcl-zeit versäumet, auch das Land z» hart wird. Ge-meiniglich fält das Wasser vom »4ten Septembr.da die Lopte» ein Kreuz in den Flus werfen; dochhat das Steigen auch wol bis den LZten Gccobr gs-dauert, ja wol noch später, zum Nachtheil der Ein-woner. Die 16 Ellen des erforderten Maasses zurFruchtbarkeit sind vom -^erodoto bis aufplinmmbeständig gemeldet worden; welcher letztere ausser derStelle D. 5 c. 9 noch B. z6 c. 7 anfürt, daß Vespa-sianus im Friedenstempe! den Nil in Dildhaucr-arbeic von Marmor habe vorstellen lassen, mit 16

Knaben, die um denselben gespielt,diese Zahl der Ellenseiner Fruchtbarkeit anzuzechen. Siehe MailstkTh. i B.r. S.46 GckawTH. r c; S. i?;rc undPocock B. 4 c. 7 S. 198 rc. auch B. 5 c. 8 S- 24^

(C) Es scheinet sehr seltsam, daß eine solche Ge-wonheit solle seyn geduldet worden, nichtnur so lan-ge Egypten den christlichen Kaisern zu Lonfla"'tinopel unterworfen gewesen ist, sondern auch daes die Araber unter ihrer Botmäßigkeit gehabt ho-ben. Amasts, einer von den alten egyptischen -In-nigen, sol die Menschenopfer, so der Juno gebram-worden, abgeschaft haben; wie unten angemerkt-werden sol. Daher man warscheinlich mutmaßenkau, daß er auch die Opfer des Nils werde aufge-hoben haben. Vielleicht werden wir diese Samtin ein besser Licht setzen können, wenn wir auf d>-arabische und türkische Geschichte kommen.