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Allgemeine practische Philosophie / von Johann Friedrich Herbart
Entstehung
Seite
57
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sich keine Gewifsheit mittlieilen läfst. Nichtviel besser würde aus der gemachten Vor-aussetzung zu begreifen seyn , woher derGedanke an eine Sittenlehre entstanden sey,die mit ihren Vorschriften das Leben ganzund gar bedecken, und nichts Gleichgültigesübrig lassen, ja wohl gar den Menschenin immer gleicher Spannung der sittlichenAufmerksamkeit erhalten solle: da die Ge-schmacks -Urtheile, nach dem obigen, nurVerhältnisse betreffen, deren Elemente,einzeln genommen, gänzlich gleichgültig sind;woraus folgt, dafs jedes einzelne Begehrenund Wollen an sich gleichgültig ist, unddafs es erst in ein Verhältnifs mit einemandern sich zusammen linden mufs, um sitt-liche Bedeutung zu bekommen.

Angenommen nun die gegentheilige Vor-aussetzung, den Geschmacksurtheilen sey einAusdruck, welcher logische Allgemeinheit be-zeichne, nicht angemessen: so scheint vol-lends alle practische Philosophie verschwin-den zu müssen. Denn was ist Philosophie