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Mensch ist. Nicht allein diese Vor«siellung aber muß auf die Wirkungseines Werks auf uns, sondern dieerkünstelte Begeisterung wird auchauf seine Darstellung selbst einen nichtgünstigen Einfluß haben, und hatihn auch wohl wirklich darauf ge-habt. Wen» Virgil schon in diesemFalle ist: so müssen die neuern Dich-ter sich noch weit mehr darin befin-den. Nur Milton macht zum Theilhier eine Ausnahme; nud hätte erden Fall unserer Stammeltern mehrwie ein Unterliegen der Vernunft beydem Reize von Verführung, alsdiese Begebenheit von der theologi-schcn Seite dargestellt: so würde dieTheilnehmung an derselben vielleichtnoch allgemeiner, noch lebhafterseyn. Indessen folgt doch hieraus,daß der epische Dichter, welcher dieBewegungsgründe zu den Handlun-gen seiner Personen, aus einer all-gemein geglaubten Religion herlei-tet, immer allgemeiner wirken muß,als wer sie aus Eroberungsgcist,Politik, angeerbten Rechten und der.gleichen, vorgeblich erhabenen, Be-wegungsgründen entstehen läßt, wo-fern nur nicht, wie z. B. im Noah,der Held ein mehr leidender, als thä-tiger Held ist. Und zugleich siehtman, wie so irrig die mehrestenKunstrichter vorzüglich und zuerstvon ihm verlangen, dass er durch dieThaten seiner Helden Bewunderungzu erwecken suchen soll. Was gehnuns diese Thaten an> wenn sie nicht,durch ihren Ursprung, nicht durchden, der sie verrichtet, uns nahege-bracht werden? Nicht anfihnen, son-dern auf diesem ihrem Ursprünge,beruht unsre Theilnehmung; undmeines Bedünkens zieht Achill undUlyß uns viel zu nahe, viel zu innigan sich, als daß wir sie bloß bewun-dern könnten. Auch verschaffen, mei-nes Bedünkens, Begebenheiten, wel-che aus eigentlicher Empfindungfließen, in so fern immer bessere,
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genauer zusammen hangende Plane,als alles, was dadurch an einandergeknüpft ist, inniger und natürlicherverbunden seyn, oder doch zu seynscheinen muß. Die Folge dieser Be-gebenheiten ist uns von selbst an-schaulich, und der Dichter der Müheüberhoben, die Bewegungsgründezu jeder einzeln anzugeben. — Dochnicht genug, daß die neuern Be-griffe von Größe die Dichter genö«»higt haben, den neuern Helden,bey ihren Handlungen, Zwecke undAbsichten beyzulegen, welche unsreTheilnehmung daran schwächen, ver-hindern eben diese Begriffe auch denDichter, ihnen solche Thaten selbstzuzuschreiben, als sich vollkommenzur Anschauung bringen, oder sie aufeine, jedem, wenn nicht ganz mögliche,doch faßliche Act thätig seyn zu lassen.Der neuere Held muß mehr, gleichsammit seinem Geiste als niit seinem Kör-per handeln; es ist ganz unter seinerWürde, für sich ganz allein, irgendein kühnes, beschwerliches Aben-teuer zu unternehmen, oder sein Le-ben, sein Daseyn, aus ganz eige-nem Antriebe, oder aus bloßemHeldenmuth, aufs Spiel zu setzen;er theilt alle Gefahren, in welche erkominen kann » nicht allein mit meh-rern, sondern es ziemt ihm auchnicht, sich, für seine Person, in diegrößten zu begeben, weil er für dasGanze, dem er vorsteht, sorgen,und die Unternehmungen Anderer lei-ten soll. Aber dieses kann nur durchAnordnungen, und Befehle gesche-hen ; und so viel Geisteskräfte immerhiezu erforderlich, und so edel dieseBestimmung auch immer seyn mag ; sosind denn doch einmahl jene Geistes-kräfte schwerlich hinlänglich zu ver-sinnlichen; und dann können zuwe-nig Menschen in solche Lagen kom-men, als daß sie viel Theilnehmungzu erwecken fähig seyn sollten.
Die Ritter - oder romgntist-eEpopöe, welche die Heldenthaten
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