VI
Einleitung.
Organe. Nach Besprechung der von der Raupe gelieferten Gespinste, der Ko-kons, wird die Gewinnung der Seidenfaser aus den letzteren, das Abhaspelnund die weitere Verarbeitung des einfachen Rohseidenfadens zu Seidengarneneingehender erörtert. Der maschinelle Teil der technologischen Behandlungder Seide macht gegenwärtig eine Übergangs- und Entwickelungsperiodedurch. Neue Maschinen und Apparate werden eingeführt in diese Industrie-zweige, die während Jahrhunderten unwandelbar an ihren alten überliefertenGeräten festhielten. Es erschien mir daher notwendig, neben den Maschinen undVerfahren, die allerorts und bereits in grösserem Malsstabe sich in der Praxiseingeführt haben, auch solche aufzuführen, die sich erst Bahn brechen; einaufmerksamer Leser wird diese Neuerungen von den in der Praxis bereits ver-wendeten Systemen leicht unterscheiden können.
Neben der echten Seide erfahren auch die sogenannten wilden Seiden wegenihrer Wichtigkeit und des Interesses, das diese faserliefernde Insektenklasse inneuerer Zeit wachgerufen hat, eine ausführlichere Besprechung. Der Vollständig-keit halber sind auch die künstlichen Seiden, sowie Spinnen- und Muschel-seiden hier behandelt worden. Ein besonderes Gewicht wurde auf die in derNeuzeit so mächtig aufgeblühte Industrie der Seidenabfälle gelegt. DemKonditionieren und Titrieren der Gespinste und der Untersuchung derselbenauf ihre Gleichmässigkeit, Festigkeit und Duktilität sind mehrere Seiten ge-widmet, jedem Zweige der Seidengewinnung und -Verarbeitung eine Sta-tistik beigefügt worden. Als eine Art Übergang von der mechanischen zur chemi-schen Technologie dient der Abschnitt über die physikalischen und chemi-schen Eigenschaften der Seidenfaser. Die eigentlichen Veredelungsgeschäfte,das Abkochen, Bleichen, Färben etc. finden eingehende Besprechung. Nichtauf möglichst detaillierte Angaben über dieses oder jenes Verfahren und auf dieAufzählung einer möglichst grossen Anzahl von Rezepten wurde dabei dasHauptaugenmerk gerichtet, sondern, ausgehend von dem Standpunkte, dassnur das Verständnis einzelner Vorgänge beim Färben, Erschweren etc. denFärber über den Wert eines Verfahrens und die dabei stattfindenden Re-aktionen aufzuklären vermag, wurde versucht, deren rationelle Erklärung aufchemischer Basis zu geben. Konnte dies auch öfters nur in Form einerziemlich vagen Hypothese erfolgen, so möchte ich immerhin doch den empi-rischen Versuch: die praktischen Ergebnisse der in der Seidenfärberei erzieltenWirkungen mit der wissenschaftlichen Begründung von deren Ursachen in Ein-klang zu bringen, nicht als verfehlt angesehen wissen. Als Anhang sind einigeMethoden zur Untersuchung der erschwerten Seiden beigegeben. Jedem Ka-pitel ist ausserdem die einschlägige Journal-, Bücher- und Patentlitte-ratur beigefügt worden, und in einem besonderen Anhang wird die Geschichteder Seidenzölle bis auf die Gegenwart geschildert. Am Schluss des Werkesendlich befinden sich speziellere statistische Tabellen, die hauptsächlichauf die neueren Daten Bezug haben und vorzugsweise für ökonomisch-kauf-männische Betrachtungen von Wert sein dürften.