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Erster Band.
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Vorläufer der Ornamentik.

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die Umgestaltung der alten Welt eine momentane Stockung im Verbrauchder Seide mit sich brachte, die Seidenindustrie und der Seidenhaudel findetbald einen mächtigen Beschützer und Absatz im Christentum, d. i. in derKirche. Wenn die Laienwelt der byzantinischen und romanisch-germauischenLänder in den ersten Jahrhunderten des Mittelalters sich den kostbarenLuxus der Seidengewebe nur spärlich gestattete, so entfaltete die Kirchennd Geistlichkeit, wie in anderen so auch in dieser Beziehung eine pom-pöse Pracht in liturgischen Gewändern. Schon unter den ersten Päpstenbesass Rom Seidenstoffe, deren Pracht seither kaum übertroffen wurde.Während bis dahin der lange Talar, die Stola etc. nur aus feiner Lein-wand bestand, wurden diese nunmehr aus den kostbarsten Seidenzeugenhergestellt. :i< *

Beim vergleichenden Studium klassischer Ornameutstile ergiebt sichein fast staunenerregender Synchronismus und wunderbarer Zusammenhang,zumal wenn man die zeitlichen und räumlichen Grenzen, durch welche dieVölker des Altertums getrennt waren, hierbei in Betracht zieht; denn diesemussten der sich unabhängig von einander iiussernden Übereinstimmung nichtnur einer so verfeinerten Ausdrucksweise des kulturellen Lebens, wie der Orna-mentik, sondern schon der gleichartigen Entwickelung der weit prägnanterenSymptome eines solchen entschieden hinderlichsein. Die altgriechischen Stilrich-tungen, der pelasgische Stil bis zur Einwanderung der dorischen Stämme (1000v. Chr.), und der dorische bis zur Unterjochung Griechenlands durch Rom (150 v. Chr.) haben für uns kein specielles Interesse, da sie in der Seiden-webekuust nicht zum Ausdruck gelangt sind; nichtsdestoweniger mag her-vorgehoben werden, dass die wenigen erhaltenen Überreste frühgriecbischerOrnamentik, durch die Schilderungen griechischer Dichter ergänzt, unsdahin belehren, dass sie mit der Zierweise Asiens und namentlich Assyriensviel Gemeinsames besass. Ebenso zeigt die etruskische Stilrichtung Mittel-italiens (1000 v. Chr.) in ihrer ersten Periode einen entschieden assyrischen Charakter, wenn auch in der zweiten Epoche der griechische Einfluss zurGeltung gelangt ist. Diese nahe Verwandtschaft räumlich weit entfernterKunstweisen bei dem dazumal verhältnismässig schwachen Völkerverkehr findetihre Erklärung in dem stark entwickelten Nachahmungssinn der damaligenWelt, auf die alles Fremde, Weitentfernte auch in den Einzelstiickeuhohen Reiz ausgeübt und ihre Kunstweise beeinflussen mochte. Bei Be-sprechung der Granatapfelmusterung des Mittelalters werden wir noch Ge-legenheit habeu, die Verwandtschaft der indischen und der neuitalieuischenMusterungsweise zu konstatieren.

Von kulturell hoher Bedeutung ist für uns das Studium des drittender klassischen Kunststile, des römischen, der aus den beiden anderenhervorging. Wie die spätgriechische Ornamentik ein bewusstes Strebenz um Ausdruck brachte, die Naturformen mit freiem künstlerischen Schwungzu stilvoller Schönheit zu entfalten und die etruskische ein gewisses phan-

Silbermann, Die Seide. 3