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rurpur Färberei.
Geschichte der Seide eine hervorragende Stelle ein, die seine nähere Be-sprechung rechtfertigt. Schon die alten Phönizier betrieben Purpurfärbereiund gelten auch als Erfinder des Verfahrens, die Purpurfarbe vermittelstder drei Färbemittel zu erzielen: der Purpurschnecke (purpura, Tcopcpupa),der kleinen Trompetenschnecke (murex, buccinum, xspu$) und der Scharlach-beere (coccus), die nichts anderes als Kermes war und von den Alten fürein vegetabilisches Produkt gehalten wurde. Die Purpurfärberei der Altenteilte sich in zwei Arten, in die Herbarien- und die Conchylienfärberei. Dieerstere benutzte die Färbemittel aus den vegetabilischen Substanzen desLandes, die zweite entnahm die Farbstoffe ausschliesslich dem Meere. Ebensoaus diesem Umstand, wie ferner aus der sprachlichen Verwirrung und der um-fangreichen Nomenklatur der Purpurfarbe geht hervor, dass sie keinen ein-heitlichen Farbenton hatte, sondern dass es üblich war, durch Nuancierendes eigentlichen Purpurfarbstoffs mit anderen Färbemitteln eine ganze chro-matische Skala von Blau bis Violettrot zu erzeugen. Schon die Alten habenes verstanden, dreizehn einzelne, scharf definierte Töne des Purpurs herzu-stellen; merkwürdigerweise werden auch grüne und gelbe Purpurs erwähnt 1 ),doch scheint dies, wie weiter unten erklärt werden wird, auf der Identifi-zierung des Gewebes mit der Farbe (blatta) zu beruhen. Es existiertendemnach die mannigfaltigsten Benennungen für den Purpur; es gab tyrischen,tarentinischen, lakädemouischen u. s. w. Purpur, welche sich in ihrer Her-stellungsart von einander unterschieden und solche, wie color conchylius,coeruleus, welche lediglich die Nuance kennzeichneten etc.
Es scheint endgültig festgestellt zu sein, dass die Purpurfärberei mitder Indigoküpe identisch war 2 ). Schon Aristoteles, Plinius und Plu-tarch 3 ) erwähnen öfters die „Blume“, welche die Oberfläche des Purpur-bades zeigte. Weiter wurde einerseits der Zusatz von alkalischen Mitteln,wie faulem Urin 4 ) und Bohnen 5 ), nur ihres Ammoniakgehaltes halber benutzt,und andererseits wurden Reduktionsmittel, wie Honig und Öl, empfohlen 6 ).Eine Untersuchung der purpurfarbigen Totenhülle des im IX. .lahrhuudertbeigesetzteu hl. Ambrosius führte zu dem Ergebnis, dass zur Färbung desGewandes Indigo und ein Kermes-oder Lac-dye-ähnlicher Farbstoff benutztworden ist 7 )- Schon früher ist von Bizio darauf hingewieseu worden, dasszwischen Indigo und Purpur Beziehungen vorhanden sind, welche die Iden-
') Codinus, De officialibus, öd. Niebuhr, S. 18.
s ) Witt, Chem . Technologie der Gespinstfasern, S. 17. — Schunck, Berichte derdeutschen chem. Gesellschaft. 1879, S. 1358.
8 ; Plutarch , lib. de Oracul.
4 ) Boerhaave, Chimica . Bd. 2, S. 2.
6 ; Haller, Element: della Fisiologia, lib. 36, ser. 3, § 7.
6 ) Cavalucci, Del modo di tingere la porpora. Perugio 1786.
’) Frapolli, Lepetit u. Padulli, Gazetta chimica 1872, II, 78.
A. und G. de Negri, ibid.
Carnelutti, Rendiconti dell’Instituto Lombardo, 1884, 546.