Band 
Erster Band.
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Wiedergeburt Byzantiens. Israeliten.

die Industrie beherrschende chinesische Produkt. Im XII. Jahrh. endlichverschwindet die chinesische Rohseide gänzlich aus dem abendländischen,Verkehr.

Begünstigt durch den Verfall des Staatsmonopols und durch bequeme-Beschaffung des Rohmaterials, erhebt sich die seidengewerbliche Thätigkeitvon Byzanz im XI. Jahrh. wieder zu gewaltiger Grösse. Die Manufak-turen von Korinth, Athen und Theben werden weltberühmt. Die kommer-ziellen Beziehungen mit den Nomadenvölkern Südrusslands, den Khasaren,Uzen, Petscheniegen, Bulgaren und den civilisierten Völkern Asiens einer-seits, sowie den Venetianern andererseits machten aus Konstantinopel un-mittelbar vor der folgenden, für die Geschichte der Seide im Abendlandebedeutungsvollen Epoche der Kreuzzüge, den wichtigsten Stapelplatz unddas Handelscentrum für Rohseide und Seidengewebe. Der Anfang dieserzweiten Blüte Byzantiens beginnt unter Theophilus (829847) und Kon-stantin Porphyrogenetus (911). Um diese und die nachfolgendeBlütezeit der byzantinischen Seidenwebekunst gelangten durch die Bischöfevon Mainz, Köln, Salzburg u. a. zahlreiche byzantinische Stoffe nachDeutschland , wie z. B. das Seidengewebe der Casula des Bischofs Willigisvon Mainz, welches, als die im Jahre 1011 beigesetzte Leiche später exhu-miert wurde, nach Jahrhunderten noch völlig neu erschien. Die Ver-mählung Ottos II. mit der griechischen Prinzessin Theophanie führteden byzantinischen Luxus auch nach Deutschland ein; Otto schwärmte füralles griechische, und so erklärt sich das unverhältnismässig häufige Vor-kommen orientalischer, speciell byzantinischer Seidenpraclitgewebe in dendeutschen Kirchenschätzen und Museen. So stellt z. B. eine Anzahl Blätterdes in Trier als Weihgeschenk der Kaiserin augefertigten Evangeliars vonEchternach, jetzt in Gotha , geradezu Kopien griechischer Gewebe jenerZeitperiode vor. Eine besonders rege Thätigkeit byzantinischer Gynäceentritt ein, als die ersten Anzeichen des bevorstehenden Falles des Reiches sichbemerkbar machen. Einerseits war diese Periode durch allgemeines Aufblühenaller technischen Künste und des Handelsverkehrs ausgezeichnet, anderer-seits aber benötigten die Kaiser für ihre Hilfskontingente und die ausallen Teilen Nordwesteuropas herbeiströmenden Söldner vieler kostbarerGeschenke, unter denen die Seidenstoffe eine Hauptrolle spielten.

Als sehr thätige Vermittler im Seidenhandel kommen sowohl bei denArabern, wie in Byzanz die Israeliten vor, die vorwiegend seit dem VIII.Jahrh. in den Vordergrund treten. In allen Sitzen des Seidenverkehrs,sowohl in Klianfu und auf Ceylan, wie in den Stapelplätzen Kleinasiens ,ebenso unter den Kulturvölkern, wie unter den Barbaren betreiben sie ihreausgedehnten Geschäfte. Sogar in Bordeaux, Tours und Orleans besassensie Geschäftshäuser, die die Kirchen und den Hofstaat des merowingischenEuropas mit Seide versorgten.

Die siegreich nach dem Westen fortschreitenden Araber tragen in-zwischen auch die morgenländische Seidenkultur in die eroberten Länder,.