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Erster Band.
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Arabische Stilrichtung.

ein durchaus wirksames uud gefälliges Gepräge. Neben geometrischen Fi-guren verwendet die Musterung grösstenteils Pflanzenmotive, Blätter, Knos-pen, Pinienzapfeu, Oraugenknospen, Granatapfel, Farren, Schlingpflanzen-formen u. s. w., in der Hauptsache jedoch bewegt sich die Pflanzenverzierungin den mannigfachen Wellenrauken, lappig gegliedertem Akauthusblatt unddem ungegliederten Herzblatt, ferner zwei- oder dreifältigen lanzettförmigenAusläufern der Ranken, worunter als grössere Einheit eine kelchförmigeBlüte, umgeben von stilisierten Blättern, vorherrscht. Sehr selten und erstspäter trifft mau Tiergestalteu an. Ein wesentliches . Element bildetedann die ornamental stilisierte Schrift, welche in das Raukenwerk verwebtwurde oder über demselben hinlief und in poetischen Sprüchen die Bestim-mung des Gewebes verdeutlichte. Die arabische Ornamentik befolgte imallgemeinen das Prinzip einer vom Mutterstamme ausgehenden Strahlunguud tangentenförmigen Krümmung der Linien, sie folgte also gänzlich demGeiste der klassischen Stile. Die Farbe erfüllte eine hochwichtige Aufgabe,denn ihr war zum Teil die harmonische Lösung des oft überreichen undsehr verwickelten Rankenwerkes übertragen. Gegen Ende der Epoche über-wiegt im Ornament die Tierwelt, wie Pferde, Elefanten, Pfauen etc., wo-mit auch die Benennungen der Gewebe (mochajjal, motawwas) überein-stinnnteu. Auch hier traten symbolische Darstellungen, Inschriften undNamen der Khalifen (tiraz) auf.

Bei den Arabern, deren Hang zum Mystischen und Geheimnisvollen intausendfältigen Erscheinungen zu Tage trat, gelangten die Ideen vermittelstder Lebensformen in eigenartig tiefsinniger Ornamentik zum Ausdruck. Inihrer Webekunst war selbst die Idee der Musterung, d. i. das Erzeugen derZeichnung auf dem Grunde schon au und für sich eine symbolische Dar-stellung. In den für Kultnszwecke verwendeten Geweben war der Grunddes Stoffes als die Idee des Raumes versinnlicht, über welchen sieb dasMuster als Symbol der Zeit, des Unermesslichen bervorhebt. Unter dentierischen Symbolen war u. a. das „khi-liu“ (augenscheinlich chinesischerAbstammung), das „vom Hirsche ein Leib, vom Ochsen den Schweif undein Horn hatte“ die Versinnbildlichung der Königswürde, die in Staatskleidernauftrat. Die Jagdhunde haben noch in der Sassanidenperiode ihren Ursprungund deuten die Idee des Ruhms und der Ehre an (izz) x ). Unter den pflanz-lichen Motiven spielt die noch von den alten Parthern überlieferte Symbolik desheiligen Baumes (hom), des paradiesischen Baumes des Lebens, die hervor-ragendste Rolle 2 ). Unter den Blumen haben die Darstellungen von Veil-chen , Anemonen uud Wasserlilien ihren tiefgedachten Sinn.

Auch in die indische Seidenwebekunst brachten die Araber den Geist

') Sammlungen des Berliner Kunstgewerbemuseums.

Hinz, Die Schatzkammer der Marienkirche zu Danzig . 1870, II. Taf. 42.Fischbach, Ornamente der Gewebe.

J ) Karabacek, Die persische Nadelmalerei, S. 152.