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Erster Band.
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Mittelalterliche Stoffe. Siklätün.

Ouch fürt diu maget reineEinen rok von pliate.

Von rotem SiglateFürte si ein kappen an 1 ).

Das Wort Siklät ist in allen Schriften des mittelalterlichen Orientsund Occidents, sowohl prosaischen wie poetischen Inhalts, sehr verbreitet.Im Mitteldeutschen siglät, sigilot oder cyclät 'genannt, kommt es inden romanischen Sprachen als siglaton, cisclato, in der britischen alssyclatowne, chekelatoun vor. Das orientalische „siklätün“ tritt inverschiedenen Schriften früher auf, als seine abendländischen Bildungsformen.Das ebenfalls als vermutliches Synonym des Siglats auftretende sidschil-lät hat etymologisch mit dem ersteren nichts zu thun 2 3 ). Siklät und Sig-lätün sind zweifellos identisch; dies geht schon daraus hervor, dass der„siklätün bagdadijj“ d. i. Bagdader Siklätün im Orient ebenso geschätzt wurde,wie im Occident „von Babilone ein Sigilät“ 8 ). Der Bagdader persisch-arabische Siklätün hat sich trotz der Konkurrenz der sehr geschickt imitie-renden Seidenmanufakturen Almerias den besten Ruf bewahrt. Schon imIX. Jahrh. sind seine Manufakturen in Tebriz berühmt, von wo aus er überBagdad, Alexandrien und Kairo seinen Weg nach Spanien fand, und dortwahrscheinlich bereits im X. Jahrh., sicher aber zur Zeit Edrisis fabriziertwurde 4 ). In Bezug auf seine stoffliche Beschaffenheit scheint der Siklät eineArt Vorläufer des Damastes zu sein, was auf seinen Ursprung aus China hin-weist. Er war durch grosse Festigkeit und Dauerhaftigkeit ausgezeichnet;häufig bestand die Kette aus ungebleichtem Leinen, der Einschlag ausSeide. Das Dessin des Sikläts war vertieft auf einem Atlasgrunde. Dieüblichen Farben scheinen azurblau, pistazienfarbig und zinnoberrot gewesenzu sein, mit welcher letzteren zumeist Goldbroschierung verbunden war.Erst nachträglich treten buntfarbig gemusterte Siklätüns auf. Zuerst nurfür kirchliche Zwecke, wie bischöfliche Messgewänder (casulae) angewendet,verschaffte er sich rasch Eingang in alle Bevölkerungsklassen, wasum so begreiflicher erscheint, wenn man die ungewöhnliche Mannigfaltig-keit seiner Verwendungsarten ins Auge fasst. Es mag auch beiläufig er-wähnt werden, dass von Einigen die Vermutung ausgesprochen worden ist,Siklätün wäre kein mustergewebtes, sondern ein nach dem Zeugdruckver-fahren hergestelltes Gewebe.

Das einfachste Seidengewebe, der Taffet (taftah), persischen Ursprungs,war besonders gegen den Schluss des XIV. Jahrh. im Abendlande sehrverbreitet.

Von rein arabischer Herkunft, wie sicher festgestellt, war der im Verkehr

*) Wigalois der Ritter, S. 91.

s ) Karabacek, Über einige Benennungen etc. S. 5.

3 ) Apollonius von Tyrland V. 225., Gedicht von Heinrich von Neustadt .

4 ) Edrisi, Description de l’Afrique et de l’Espagne, dd. Dozy & Goeje , S. 197.