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Erster Band.
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Natürlicher Farbstoff der Yamamay seide.

Arbeiten von Fremy und Cloetz festgestellt worden, dass das Chlorophyllkein einheitlicher Farbstoff ist, sondern aus zwei einzelnen Pigmenten, demPhylocyanin und dem Phyloxanthin (Xanthophylin) besteht. Das Phylo-cyanin ist wenig beständig und kann an Licht und Luft farblos oder gelbwerden, indem es in das Phyloxanthein umgewandelt wird; das Phylo-xanthin ist dagegen sehr beständig. Werden frische Blätter mit einerMischung von reiner Salzsäure (1 Vol.) und Äther (2 Vol.) ausgeschüttelt,so färbt sich die Salzsäure blau (Lösung des Phylocyanins) und Äther gelb(Phyloxanthin). Die gelbe Rohseide liefert, in dieser Weise behandelt, durch-aus identische Erscheinungen. Ausserdem hat das Seidenpigment mit demChlorophyll noch die Eigenschaft gemein, dass sie beide durch Salzsäure,Eisensalze und Königswasser grün werden.

Das Seidenpigment schmilzt bei 30°, ist rotbraun, trocken und gelb-grünlich in Lösung. Seine Lösungen werden am Lichte schnell entfärbt.

Der natürliche Farbstoff der der echten Maulbeerseide in morpho-logischer und chemischer Beziehung sehr nahe stehenden Seide des Yama-mayspinners (Antheraea Yamamay) Japans , scheint wenigstens in einem Teileund in den ausgesprochen grünlichen Kokons einen ganz anderen Ursprungzu haben, als der der Maulbeerseide. Die grüne Färbung der Yamamay-kokons ist nicht gleichförmig über die ganze Fläche derselben verbreitet;sie ist sehr ausgesprochen an Stellen, die dem Sonnenlicht zugekehrt waren,dagegen fast unmerklich, wo der Kokon am Blatte befestigt war; ausser-dem ist sie dermafsen oberflächlich, dass schon die zweite Fadenschicht imKokon gelblich ist, und den folgenden oft jegliche Färbung abgeht, wasbestimmt darauf hinweist, dass die Raupe einen farblosen Faden ge-sponnen hat. Die dem gefärbten Teil des Kokons angehörende Faser zeigtbesonders in ihrer axialen Richtung kleine, grüne Krystalle parallelepipe-discher Form, einzeln (a) oder in Gruppen(p) (Fig.l03No.8). DerStaub, welcherden mit der Hand gedrückten Kokons entsteigt, besteht aus dieser mikro-skopisch krystallinischen Masse. Neben der letzteren haften an denäussersten Fadenschichten des Kokons, doch in kleinerer Quantität, auf denFasern A einzelne runde Körperchen B (Fig. 104 No. 9) mit ziemlich dickerMembrane und sichtbarem Kern von blaugrüner Farbe. Sie scheinen denSchmarotzeralgen aus der Gattung der Protococcen oder Cyanophyseenanzugehören 1 ); auch haften an ihnen zuweilen die oben gedachten Krystalle.

Was die Eigenschaften des grünen Yamamayfarbstoffes anlangt, soscheint er ebenso, wie der der Maulbeerseide, kein einheitlicher Körper zusein. Behandelt man die Yamamaykokons mit kochendem Wasser, besondersim Autoklaven bei 120°, so löst sich der grösste Teil des Farbstoffes schonnach einigen Minuten auf; durch einige successive Behandlungen mit Wasserbei 100° werden die Kokons vollständig entfärbt. Man erhält auf diese

‘) Dubois, Bull, du Labor, de Lyon, 1889/90, S. 359.