Spinnenseide.
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werden könne *), zeigt die moderne Industrie das allgemeine Bestreben, jedesnur mögliche Seidenmaterial zu verwerten; es steht zu erwarten, dass mitder Eröffnung der grossen unerforschten Gebiete in den tropischen Ländernnoch sehr bedeutende Mengen wilder Seiden für Industriezwecke heran-gezogen werden können.
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Ausser den Seidenraupen giebt es bekanntlich noch andere, faserigeAbsonderungsprodukte liefernde Insekten, deren Gespinste zwar nicht zudem Zwecke erzeugt werden, die Umhüllung des Tieres während seiner Meta-morphose zu bilden, die jedoch im Kampf ums Dasein dieser Geschöpfe eine nichtminder wichtige Rolle spielen. Die Spinnen z. B. fertigen aus ihrem faserigenSekret äusserst feine und fast durchsichtige, aber nicht minder starke Netze,die zum Auffangen anderer Insekten dienen. Andere hüllen damit die Eierein, um sie gegen Witterungseinflüsse, Vögel etc. zu schützen; vielen dientder von ihnen abgesonderte Faden als Halteleine bei ihren Wanderungen,an der sie durch kühnen Schwung von Baum zu Baum gelangen.
Die Anwendung der Spinnenfaser für technische Zwecke ist erst neue-ren Datums. Unsere Vorfahren, sowohl im Altertum wie im Mittelalter,haben die Spinnen in vielen Mythen, Sagen und Dichtungen besungen, dochist uns nichts verblieben, was irgend auf eine Verwertung dieser Tierehindeuten könnte. Zwar bringt uns Heliodor die Nachricht, dassdem Fürsten Hydaspes von den Serern zwei Stück Zeuge aus Spinnen-gewebe (äpaxytav VYjgaira xal upaffp.ai:a) 2 ), eines in Purpur, das andere vonschneeweisser Farbe, überreicht wurden, doch lässt sich dies auf die falscheVorstellung zurückführen, die der Geschichtsschreiber von dem Ursprung derSeide besass.
Der Gedanke, die faserigen Produkte der Spinnen zu textilen Zweckenzu verwerten, entstand in den ersten Jahren des XVIII. Jahrh. Im Jahre1709 sammelte Bon in Montpellier 3 ) die seidenen Faserklümpchen, mitdenen die Spinnen ihre Eier umhüllen, klopfte sie, um den Staub zu ent-fernen, wusch sorgfältig mit Wasser und kochte das Material mit einerMischung von Seife, Salpeter und etwas Gummi während einiger Stunden.Nach dem Waschen und Trocknen wurden die Fasern mit sehr feinenKarden gekämmt und versponnen. Handschuhe, Strümpfe und andere ausSpinnenseide erzeugte Stoffe erregten seiner Zeit grosses Aufsehen. Vonder Akademie der Wissenschaften zu Paris mit der Prüfung dieser Ange-legenheit betraut, gelangte Reaumur indessen zu dem Resultat, dass die