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Erster Band.
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Spinnenaeide.

Spinnenfäden eine zu geringe Dicke besässen, um damit irgendwie ein kom-paktes und dauerhaftes Gewebe anfertigen zu können. Er berechnete, dass90 Spinnenfasern nötig sind, um der Stärke einer Seidenfaser gleichzukommen,und 18000 Spinnenfäden, um einen starken Nähfaden zu bilden. Zwölf-mal so viel Spinnen als Seidenwürmer sind erforderlich, um die gleicheMenge Fasermaterial zu erzeugen, so dass für 1 kg desselben ca. 40800Seidenklümpchen nötig sind; da die letzteren indessen nur von den Weib-chen erzeugt werden, so müssen bei weitem mehr Spinnen gezüchtet undernährt werden. Dazu besitzt die Spinnenfaser weit weniger Glanz als Seide,weil die Faser äusserst fein und dazu gekräuselt ist. Fünfzig Jahre später,im Jahre 1762, machte Termeyer in Amerika, Spanien und Italien Ver-suche, die Spinnenfaser so auf eine Spule aufzuhaspeln, wie sie vonder lebenden Spinne sekretiert wird. Bei aller Mühe und Ausdauergelang es ihm trotz dreissigjährigen rastlosen Experimentierens je-doch nicht, mehr als 673 g Spi'nnenseide zu sammeln. Einige Jahr-zehnte später brachte Rolt der Society of Arts in London einen 6000 mlangen Faden, den er während 2 Stunden von 22 Spinnen in derselbenWeise wie Termeyer erhalten hatte. Camboue hat einzelne Spinnen inZellen eingesperrt und bewirkte durch eine besondere Stellung des Unter-leibes, dass jede Spinne befähigt wurde, einen ca. 100 m langen Faden zuerzeugen. Er fand auch, dass, nachdem die Spinnen Eier gelegt hatten, ihreProduktionsfähigkeit auf 4000 m in 27 Stunden gestiegen war. Die Festig-keit dieser Faser betrug bei 17° C. und 68° Luftfeuchtigkeit 3,26 g, die Elasti-zität 12,5°/ 0 ; nach den Angaben von Rondot ist die erstere gleich 4 g,die zweite 22 °/ 0 . Der Durchmesser dieser Spinnenfaser ist 7 p.. Gegen1843 stellte Mallat mit einer grossen Spinne der Insel Java Haspelversuchemit gutem Erfolge an, 1867 gleichfalls Basseul in Senegal . Von 1823bis 1843 hatte ein Pariser Fabrikant die Geduld, aus der Spinnenseide, welchebekanntlich blutstillende Eigenschaften besitzt, haemostatische Pflaster an-zufertigen.

Trotz der übergrossen Feinheit eignet sich die Spinnenseide gut zumVerweben und liefert sehr schöne Erzeugnisse; grosse Bewunderung riefenseiner Zeit die von den Einwohnern der Insel Mauritius der Kaiserin Eugenie überreichten Handschuhe hervor. Die Anwendung der Spinnenfaser in derTextilindustrie ist zur Zeit noch eine offen stehende Frage; ab und zuwird die Aufmerksamkeit der Fachwelt auf diesbezügliche Versuche gelenkt,um nach kurzer Zeit wieder zu erlöschen. Wiederholt wurde auch versucht,die überseeischen, grossen, schwarzen und gelben Spinnen zwecks Faser-gewinnung in Europa zu acclimatisieren, jedoch bisher gleichfalls ohne Erfolg.Unlängst berichtete Dumdrest, von der Hermelinspinne ein äusserst feinesund starkes Gespinst erhalten zu haben. Die Anwendung der Spinnenseidezur Herstellung der Haemostatica ist neuerdings von Stilbers in Westmore-land wieder aufgenommen worden; dieselben sollen wirksamer sein, alsEisenchlorid. Die verwendeten Spinnen sind die grossen afrikanischen und