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Erster Band.
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Musehelseide.

ihres Lebens erzeugen. Die Pinna macht einen ständigen Gebrauch vonihrem Spinnmaterial, welches, richtig ausgedrückt, nicht durch Spinnen,sondern aus einer teigartigen Masse, welche sich in einer Spalte ihrer Zungebefindet, gewonnen wird. Der Faserbart besteht aus einem von einer mehroder minder grossen Anzahl feiner Fäden gebildeten Bündel und umschliesstgewöhnlich eine ganze Reihe von Muscheln. Mit Hilfe dieses Fasermaterialsist die Pinna befähigt, sich an fremde Körper anzuheften. Die Beschaffen-heit der Seeseide variiert je nach der Art des Meeresbodens; ist der letzteresandig, so kann der Faserbart leicht abgetrennt werden, was nicht der Fallist, wenn er steinig ist, und hat dann die Seide im Gegensatz zur erstereneine viel dunklere Farbe und weniger Glanz.

Man findet die Pinna in einer Tiefe von 7—9 m und fängt siemittels eines gabelförmigen, mit 1,5 m langen und 15 Zoll voneinanderabstehenden Zinken versehenen Instrumentes. Trotz der grossen Feinheitder Fäden ist die Widerstandsfähigkeit des Fadenbündels eine so grosse,dass bedeutende Anstrengungen gemacht werden müssen, um die Muschelnvon den Felsen abzureissen. In rohem Zustande ist die Seeseide unschein-bar, sie wird nach der Abtrennung von der Muschel in Seifenwasser ge-waschen, an der Sonne (nach anderen Angaben im Dunkeln) getrocknet undvon den anhaftenden Wurzeln etc. gereinigt, dann mit den Händen frottiert,vollständig ausgetrocknet und sorgfältig geputzt, zum Schluss mit einem breit-zahnigen und endlich mit einem feinen Kamm gekämmt; durch diese Behand-lung erhält man aus einem Pfund brutto ungefähr 1 j 3 Pfund Gespinst. Mannimmt dann 2—3 solcher Fäden und zwirnt sie mit einem Faden echter Seidezusammen. Das Gespinst wird in einer Mischung von Wasser mit Citronen-saft gewaschen, mit den Händen frottiert und mit einem heissen Eisen ge-plättet. Hierdurch nimmt es eine schöne, braune Farbe und einen gold-schimmernden Glanz an. Die daraus gefertigten Shawls, Strümpfe, Tri-cots, Handschuhe etc. erzeugen keinen Schweiss und sind sehr dauer-haft. Infolge der beschränkten Produktion (nicht über einige 100 kgjährlich) sind diese Artikel jedoch ziemlich teuer. Die Centren der Gewinnungsind Reggio und Taranto, die der Verarbeitung Palermo und Lucca , wo inden Waisenhäusern die feinsten Artikel angefertigt werden.

Ausser der Pinna nobilis eignen sich zur Seidengewinnung noch P.rudis, Tridacna gigas und Raja batis. T. gigas, das Riesenmuschelweich-tier, dessen Schalen eine Läuge von 1- 1,5 m erreichen und in katholischenGegenden häufig als Weihkessel dienen, ist mit ausserordentlich starkenBartfäden ausgestattet; dieselben sind trotz ihrer Elastizität sehr zähe undmüssen durch kräftige Beilhiebe von der Muschel getrennt werden.

Von der an der Küste der Vendee gewonnenen Seeseide, R. batis, „soiemarine“, stellte Jo ly in Paris 1867 schöne Muster aus; ebenso waren in derAusstellung zu Neapel 1870 Fabrikate aus Muschelseide zu sehen.

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