Band 
Erster Band.
Seite
368
JPEG-Download
 

368

Der Seidenhaspel.

letzteren Falle ist er mit einer Vorrichtung zur Erzielung variabler Um-drehungsgeschwindigkeit versehen.

Der Umfang der Haspeltrommel hat keine bestimmte, festgesetzteGrösse, sondern variiert in verschiedenen Ländern, je nach bestehendem Ususund Qualität der Grege. In Frankreich beträgt der Durchmesser ge-wöhnlich 0,5 und 0,75 m, entsprechend einem Umfang von 1,5 und 2,25 m.Für einen noch zuweilen gebräuchlichen Durchmesser von 0,68—0,72 mist der Umfang 1,16—2,04 m; der Haspel macht 80—100 Touren proMinute und die Geschwindigkeit des Fadens beträgt 2,7—3,6 m. EinHaspel vom Durchmesser 0,46 m macht 130—140 Touren und die Faden-geschwindigkeit ist 2,85—3,20 m. Chinesische Haspeln haben einen Durch-messer von 1 m. Die grösste zulässige Geschwindigkeit für eine dünnfädigeRohseide beträgt 4,5 m, für eine dickfädige 7,5 m pro Minute. Nachdemder Strang am Haspel 2500—3000 Touren gemacht hat, ersetzt man denHaspel durch einen frischen. Die Leistung einer Hasplerin beträgt folgendeMengen Rohseide täglich, unter der Voraussetzung, dass sie die Kokonsselbst schlägt.

hir

einen

Faden

aus

3

Kokons. .

. 200-

-220

g

11

ii

1»

n

4

11 •

. 260-

-290

11

11

ii

11

ii

5

11

. 320-

-350

11

11

ii

11

11

6

11

. 410-

-425

11

11

ii

11

11

7

11 • *•

. 480-

-500

11

Von den älteren, besonderen Konstruktionen des Seidenhaspels mögenfolgende erwähnt werden. In der Maschine von Mylius sind 4 Haspeln imQuadrat angeordnet, so dass je zwei sich gegenseitig den durch ihre Um-drehung erregten Luftzug zuführen und damit das Trocknen des Gespinstesauf dem Haspel befördern. Der Hauptzweck des Barbierschen Haspels istdie Knotenbildung (mariages) zu verhindern, und zwar auf die Weise, dassdie Fadenführer sehr rasch hin- und herbewegt werden, so dass die Durch-kreuzung der Fadenwindungen unter stumpfen Winkeln stattfindet. Zugleicher Zeit empfangen die Fäden einzeln, ohne sich zwischen den beweg-lichen und feststehenden Fadenführern zu verschlingen, einen gewissen Gradvon Drehung, wodurch sie gepresst und geglättet werden. Der hierzu be-stimmte Mechanismus ist sehr einfach und besteht aus kleinen Rollen,welche durch endlose Schnüre angedreht werden und durch deren Mittel-punkt die Rohseidenfäden ihren Weg nehmen, um auf den Haspel zu ge-langen. Ausserdem ist hier eine besondere Vorrichtung getroffen, um, imFall des Reissens, der Hasplerin die Möglichkeit zu geben, den Haspelaugenblicklich an sich zu ziehen und das verlorene Fadenende zu ergreifenund anzuknüpfen. Diese Verbesserung ist von Wichtigkeit besonders fürsolche Konstruktionen, wo der Haspel ziemlich weit entfernt von derHasplerin liegt. Zum Zweck des Abdichtens und der Rundung des Fadenssind am Barbierschen Seidenhaspel mit Tuch ausgefütterte, rotierende