Band 
Erster Band.
Seite
399
JPEG-Download
 

Das Wasser in der Hasplerei.

399

vollständig reines Wasser sei für die Zwecke des Haspelns ohne Vorteile.Sowohl die gelben wie die grünen Kokonrassen liefern mit massig hartem(die ersteren auch mit ziemlich hartem) Wasser viel bessere Resultate. Unterden den Haspelprozess befördernden Salzen sind in erster Linie die Sulfateder Erdalkalien, dann die Karbonate und Chloride zu nennen. Bei über-mässigem Härtegrad (über 20°) lässt sich der überschüssige, für das Has-peln in diesem Falle nachteilige schwefelsaure Kalk (Gips) durch Zusatzvon etwas Chlorkalium unschädlich machen, bei zu weichem Wasser (unter8—10°) soll nach Rotondi direkt Gips hinzugesetzt werden. Der geeigneteHärtegrad beträgt für gelbe Kokons 12—15°, wobei wenigstens die Hälftedem Gips zukommen soll, für die grüne Rasse soll dann die Härte 12°nicht übersteigen.

Vignon 1 ) hat den Einfluss des Haspelwassers auf die Qualität derSeidenfaser in der Weise untersucht, dass er durch künstliche Zusätze vonChemikalien ihre Wirkung im einzelnen festgestellt hat. Diese Untersuchungenerstrecken sich auf den Gang des Haspelns, die Festigkeit und Elasticität dererhaltenen Grege, ihren äusgeren Charakter und das Verhalten beim nach-träglichen Zubereiten, Zwirnen und Entbasten. Die Ergebnisse dieser sehrsorgfältigen Versuche sind folgende. Die Arbeit des Haspelns wird durcheinige Mineralsalze erleichtert, durch andere verzögert oder ganz unmöglichgemacht. Für vergleichende Zwecke sind die Mengen dieser Salze äqui-valent verwendet worden, so z. B. Gips (Ca S 0 4 , 2 aq.) 1,72 g pro Liter,Magnesia (Mg 0) 0,40 g pro Liter des Haspelwassers u. s. w. Währendnun beim Zusatz von Calciumacetat, Kaliumsulfat, Chlorkalium, Spuren vonPottasche und Chlormagnesium das Abhaspeln sehr gut vor sich geht, wird dieRegelmässigkeit der Arbeit durch Zusatz von Chlorcalcium und Gips, von Pottasche,Spuren von Kalk und Magnesia, sowie Magnesiumsulfat und -Karbonat in zwarnicht wesentlicher, aber deutlich erkennbarer Weise beeinträchtigt. Der Zusatzvon Kreide verursacht eine flaumige Beschaffenheit der Grege; Pottasche ineiner äquivalenten Menge (1,38 g per 1) macht das Abhaspeln sehr schwierig,ebenso schlecht wirken Kalk und in geringerem Mafse Kaliumacetat. Destil-liertes Wasser ergiebt hingegen gute Resultate. Es ist selbstverständlich,dass die quantitative Ausbeute an Grege in direktem Verhältnis zum qua-litativen Verhalten beim Haspeln steht, und ebenso verhält es sich mit derFestigkeit und Elasticität; die letzteren variieren übrigens ziemlichunbedeutend. Weit mehr dagegen hängt von der Beschaffenheit desWassers das Äussere der Rohseide ab. Dieses Äussere, der Glanz, dieFarbe, und vor allem die Glätte des Seidenfadens, ist beim Handelsverkehrvon ziemlicher Bedeutung. Von den Kalksalzen beeinträchtigen Gips undChlorcalcium sowohl den Griff, wie den Glanz der Grege; kohlensaures undessigsaures Calcium sind in äquivalenten Mengen ohne Einfluss. Kalisalzesind im allgemeinen von günstiger Wirkung. Mit schwefelsaurem Kali

*) Recherche« sur la soie. Lyon 1891, S. 103.