407
jedoch im Verhältnis zu der Gesamtproduktion Chinas nur sehr gering, undwährend Kanton und Japan zum mindesten zwei Drittel der Produktionnach dem europäischen Haspelverfahren erzeugen, bleibt das innere China mit seinen primitiven Methoden noch immer im Rückstand. Es steht indessenzu erwarten, dass letzteres dem Beispiel Kantons und Shanghais folgenwird und dass die Filaturegregen alle anderen Qualitäten verdrängen werden.
Die Provinz Kuang-tuug (Kanton) ist die am meisten Seide erzeugendeGegend Chinas . Wie bereits erwähnt, stammt die Kantonseide von denmehrerntigen Rassen; die erste, zweite und dritte Ernte, die während derRegenzeit gesammelt werden, ergeben minderwertige Produkte, im Gegensatzzu den anderen, namentlich der fünften und sechsten. Die Kantouseideuwurden früher in ziemlich primitiver Weise gehaspelt und kamen nach Eu-ropa in den Qualitäten Kanton „curio“ für die beste und No. 1—5 für dieminderwertigeren. Sie hatten eine charakteristische, schmutzigweisse, ins Grünespielende Farbe und einen eigentümlichen Geruch, der darauf schliessen liess, dassheim Abhaspeln eine pflanzliche Abkochung benutzt worden ist. Die Kan-tongrege kam als „Canton Tsatlee“ zuerst im Jahre 1841 in 720 Bal-len auf den Londoner Markt und erfuhr infolge ihres billigeren Preisesfür Nähseiden, Foulards, Möbelstoffe etc. eine ziemlich ausgedehnte Ver-wendung, die in neuerer Zeit indessen alljährlich abnimmt. Die erste Fila-ture ä l’europeenue wurde im J. 1872 angelegt und in kurzer Zeit folgtendann weitere, so dass im J. 1878 bereits 2500 Becken, im J. 18839000 und im J. 1887 25000 Haspelbecken thätig waren. Gegenwärtig ver-fügen 250 Etablissements über ca. 60—65000 Haspelbecken nach euro-päischer Art und erzeugen ohne Schwierigkeiten eine gleich mässige Gregevon einem Titer 21/23 den. Die Canton Filatures, auch Canton ä l’euro-peenne genannt, sind von weisser Farbe mit grünlichem Stich, feiner Be-schaffenheit, aber ziemlich flaumig und nicht besonders dauerhaft, dafür abervon schwammiger Natur, wodurch sie zu mannigfacher Verwendung sehr gutgeeignet sind. Sie 'werden zu Schirmstoffen, Foulards, Plüschen, Sammeten,Krepp, Spitzen und allen anderen Fabrikaten verarbeitet, die eines billigen,regelmässigeu und glänzenden Gespinstes benötigen. Die durchschnittlicheJahresausfuhr beträgt 25—30000 Ballen, oder 13—1400000 kg Rohseide,worunter 2 / s Filatures und der Rest in Natives und redevidees, welch letztereübrigens in fortwährender Abnahme begriffen sind. Im Handel kommt auchdie sogenannte Imitation Filature vor, die aus feinster Tsatlee und anderenauserlesenen Sorten besteht, welche sehr sorgfältig umgehaspelt werden.Die besten Qualitäten der Kantonseiden Filature führen im Handel dieNamen Lungkong, Laklau, Lungshan, Kumskuk, Wongleen u. s. w., imspeciellen die Marken Filature U hau cheong, F. Yu'k-wohing, F. Kwong-lun-fong, F. Chun-sunhong etc. Mittlere Sorten sind in den Kaukong,Kontgon, Hangtan, F. Kai Cheong Loong, und die minderwertigen in denSiulam, Kwai-tschau, F. Wai-Lunhing u. a. vertreten.