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Erster Band.
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Gregeproduktion. China .

Schwerpunkt des Seidenmarktes allmählich nach Frankreich (Marseille undLyon ) verlegt. In der Zeitperiode 1872/75 wurde hei einem Gesamtexportvon 62100 Ballen nach England allein 35000 ausgeführt, während demKontinent nur 20000 zukamen. Die Verhältnisse haben sich seitdem ge-ändert und in der Campagne 1875/76 erhielt England von dem Gesamt-export asiatischer Seiden nur 14773 Ballen, während dem Kontinent 38807zugeführt wurden; in den J. 1883/84 betrug die Ausfuhr nach England7812 Ballen, nach dem Kontinent 36761 u. s. w.

Es dürfte von Wert sein, hier die Verhältnisse zu erörtern, infolge derensich Lyon zum Haupt.stapelplatz der Rohseide aufgeschwungen hat. In ersterLinie ist Lyon der Mittelpunkt des zwischen den Alpen und den Cevennen undderen Ausläufern liegenden Laudesteiles, welcher als die französische Seiden-region bezeichnet werden kann. Dieser Landesteil, der unter Karl dem Gr.französisch war und dann infolge politischer Ereignisse zuerst burgundisch,später germanisch wurde, war während mehr als drei Jahrhunderten vomübrigen Teil des Landes förmlich abgeschlossen; nicht weniger war diesauch die Stadt Lyon (Lngdunum), welche einige Zeit einerseits an das Kö-nigreich Frankreich , andererseits au das deutsche Reich grenzte. Obwohldas Lyoner Volk sich stets an Frankreich anlehnte, und durch den Vertragvon 1320 die Stadt Lyon mit der Umgegend endgiltig dem Königreicheeinverleibt wurde, so blieb doch der internationale Charakter der Stadt be-stehen. Neben ihrer günstigen geographischen Lage verdankte die Stadt esauch ihrer politischen Freiheit, dass sie bald zum Hauptmarkt zwischen Flandern ,Deutschland und Italien wurde. Demnach bildete Lyon einen neutralenBoden für den Handelsverkehr der drei Nationen. Es öffnete seine Thoreden Fremden, welche verschiedene Industrien einführten, unter denen dieSeidenweberei die schönste, anziehendste und lukrativste war. Franz I. hatte im J. 1540 verordnet, dass die Stadt Lyon der einzige Stapelplatzfür fremde Seide in Frankreich sein solle; ein Privileg, das ebenfalls nichtohne Wirkung auf die Entwickelung der heimischen Seidenindustrie blieb. DieLage inmitten des seidenerzeugenden Landstriches, die politische Unabhängig-keit und Freiheit, schliesslich die Begünstigung seitens der Regierung —dies alles zog den Seidenweltmarkt in seine Mauern. Durch die Verträgevon 1515 und 1516 begünstigt, hatten Schweizer und Deutsche bald festenFuss in Lyon gefasst, und als gegen Schluss des XVI. Jahrh. politischeEreignisse die Freundschaftsbande mit den Italienern gelockert hatten, tratendie schweizerischen und deutschen Kaufleute an deren Stelle. Alle inländi-schen Fabriken, wie Saint-Etienne, Paris, Nimes , Tours u. a., ebenso dieausländischen, kauften ihren ganzen Vorrat in Lyon . Im Laufe der Zeit ver-anlasste das stetige Wachstum der Lyoner Manufaktur zeitweilige Aus-fuhrverbote des Rohmaterials. Erst 1833 ist diese Politik endgiltig auf-gegeben worden, und seit 1860 hat der Lyoner Seidenhandel durch Handels-verträge mit anderen Staaten einen bedeutenden Aufschwung genommen. Da-durch ist Lyon zum Hauptstapelplatz europäischer Seiden geworden, eine