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sich die bei diesem Gewerbe unentbehrliche Handfertigkeit anzueiguen. Zu-gleich mit dem Verfall der Seidenzucht ging naturgemäss auch die Seiden-hasplerei unter.
In den österreichischen Ländern haspelte man die Seide in Trient . gegen die Mitte des XV. Jahrh. Von 1770 bis 1800 folgten Verbesserungenziemlich lebhaft aufeinander. Cobelli, der zu Lezzanella im J. 1784 eineFilaude mit 42 Becken, bis dahin die grösste in Trient , gegründet hatte,führte zu gleicher Zeit auch die Arbeitsmethoden Piemonts ein. Alle Fort-schritte der Hasplerei wurden dann mit der Zeit nach Trient verpflanzt,und das Gewerbe entwickelte sich ununterbrochen. Um die achtzigerJahre trat aber eine Krisis ein, die eine Abnahme der Becken um 30%zur Folge hatte. Im Jahre 1880 zählte mau 37 Dampffilanden mit2216 Becken. Die Produktion des Bezirks Roveredo belief sich im J. 1888auf 82088 kg gegen 66850 kg im J. 1884, die des Bezirks Görz auf 80000gegen 65600 kg in den nämlichen Jahren.
Kein Land in Europa zeigt ein derartig rasches und mächtiges Empor-blühen der Rohseidenproduktion wie Ungarn . Im J. 1879 wurden 2507 kgGrege, zehn Jahre später bereits ca. 75000 kg erzeugt. In Neusatz undPancsova bestehen staatliche Seidenhasplereien mit einer durchschnitt-lichen Produktion von 8 — 9000 kg, bezw. von 5000 kg Grege. DieQualität ungarischer Grege ist, was ihre natürlichen Eigenschaften anlangt,sehr gut; aber infolge ungenügender Geschicklichkeit beim Haspeln lässtdas fertige Produkt im Äusseren etwas zu wünschen übrig. Die Produktionbetrug (kg):
1888 1889 1891 1893 1894
307000 267000 281000 243000 266000,
wovon 182000 gelber und 84000 kg grüner Grege.
Es erübrigt uns noch, einen kurzen Überblick über diejenigen StaatenEuropas zu werfen, in denen die Seidengewinnung zwar ganz ohne in-dustrielle Bedeutung ist, welche jedoch früher eine solche besassen.
Im XVI. Jahrh. erzeugte man in der Provinz Brandenburg in Preussenetwas Seide. Laffemas schrieb im J. 1603 „um die Wahrheit zu sagen,es wird Seide erzeugt in Flandern und in Deutschland , in Ländern, die einviel kälteres Klima besitzen, als Frankreich “. Über die Schicksale der preus-sischen Seidengewinnung ist im geschichtlichen Teile des Werkes berichtetworden; gegenwärtig gehen die Versuche nicht über den Rahmen der Haus-arbeit hinaus. Von den Niederlanden sagt de Serres , dass in der StadtLeyden in den Jahren 1583—85 die Herzogin von Ascot. Seide gezogen hat.In Belgien war die Seidengewinnung bereits im XVI. Jahrh. im Gange undteilte daselbst die Geschicke der Seidenkultur, von denen bereits früher dieRede war.
Die Vereinigten Staaten Nordamerikas sind noch heute eifrig be-strebt, ihren Bedarf an Rohseide, wenn auch nur zum verschwindend ge-
Bilbermann, Die Seide. 28