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Erster Band.
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Das Konditionieren.

Wendung ist diese Bezeichnung auch für die Operation selbst beibehaltenworden, so dass man heutzutage unter dem Konditionieren der Seide ihreFeuchtigkeitsbestimmung versteht. Im J. 1800 ist von Rast-Maupas dieallgemeine Einrichtung der Lyoner Kondition entworfen worden, deren Ver-staatlichung im J. 1805 erfolgte; nach dem Dekret vom 13. April 1805wurde die Temperatur der Heizräume auf 1617° R. bei 2728 ZollBarometerstand und auf 1920° R. bei 2627 Zoll Hg festgesetzt. Esist selbstverständlich, dass beim Trocknen in geräumigen Sälen, wo eineunerträgliche, fast erstickende Atmosphäre herrschte, und wo die Luft nichtin allen Punkten die gleiche und konstante Temperatur besass, sondernvielmehr den Luftzügen und den Feuchtigkeitsschwankungen der Atmo-sphäre ausgesetzt war, keine übereinstimmenden und zuverlässigen Resultateerzielt werden konnten. Es kam vor, dass kein Käufer bei feuchterWitterung die Seide konditionieren wollte, weil dieselbe beim Trocknenwenig von ihrem Gewicht verlor, während in trockner Zeit sich die Kauf-lustigen beeilten, Handelsabschlüsse zu machen und die Seide baldigst demKonditionieren zu unterziehen.

Das Trocknen bis zum absoluten (wasserfreien) Gewicht wurde zuerstvon Talabot (1832) empfohlen und als Vergünstigung gegen den Mo-dus des früheren Verfahrens ein Zuschlag von 10% zu dem Gewichtder wasserfreien Ware vorgeschlagen. Sein Apparat und die Arbeitsweisedes Konditionierens verdienen des geschichtlichen Interesses halber erwähntzu werden. Der Trockenapparat bestand aus einer mit heisser Luft an-gefüllten zinkenen Glocke, in welcher man einige der Partie entnommeneSeidenstränge an einer den Namenbalance directrice führenden Wagebefestigte, bis zum wasserfreien Zustande trocknete und wog. Dann wurdedie gesamte Partie mit derbalance directrice an deren einem Ende einfrischer, der vorher getrockneten Probe gleichwiegender Strang, am anderenEnde dagegen ein Gewicht befestigt war, das dem absoluten Gewichte, zu-züglich 10 °/ 0 , gleichkam in entsprechendem Trockenraum so lange bei35° C. unter Anwendung von heisser Luft getrocknet, bis die Wage insGleichgewicht kam. Hierdurch war festgestellt, dass der Strang und somitdie Partie bis zum Handelsgewicht, d. i. dem absoluten Gewicht plus 10°/ 0Zuschlag ausgetrocknet war. Nun wurde die Partie rasch gewogen und soihr konditioniertes Gewicht festgestellt. Versuche, die man gleichzeitig mitdem bis dahin üblichen Konditionierverfahren und dem von Talabot an-gestellt hat, führten zu solchen Differenzen, dass sich dascomite consul-tatif des arts et manufactures genötigt sah, eine specielle Kommission zurPrüfung des Konditionierverfahrens einzusetzen. Die Resultate dieser Versuchewaren die, dass man das bisher übliche Verfahren als unrichtig erklärte,und die Lyoner Handelskammer wurde beauftragt, die Apparate von Talabotüberall aufzustellen; die neue Konditionieranstalt wurde 1838 in Betrieb gesetzt.Gleichzeitig erkannte man, dass es durchaus nicht nötig ist, mit der ganzenPartie zu operieren, sondern dass es vielmehr genügt, derselben einige Stränge