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Zweiter Band.
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Verhalten gegen Hitze und Elektrizität.

zeigt verhältnismässig grössere Aktivität. Der Bast ist ohne Einfluss, sodass die Grege und Cuit optisch gleich aktiv sind.

Es ist bekannt, dass die Seide ein schlechter Wärmeleiter ist; sie würdeschon aus diesem Grunde als Bekleidungsmaterial des Menschen alle anderenTextilfasern verdrängen können.

Erhitzt, verliert die Seide zuerst ihr hygroskopisches Wasser und kann,ihre Reinheit vorausgesetzt, bis auf 160—-170° gebracht werden, ohne dergeringsten Zersetzuug in morphologischem oder chemischem Sinne anheim-zufallen oder an Elastizität oder Festigkeit einzubüssen. Die erschwertenSeiden dagegen können die Hitze nicht vertragen und werden schon bei120° brüchig, wobei bei hellfarbigen Nuancen eine Bräunung stattfindet.Beim Brennen oder beim Erhitzen auf dem Platinblech zeigt die Seide dasbekannte Verhalten der Proteinstoffe: unter Aufschwellen und Schmelzenverwandelt sie sich unter Verbreitung eines Geruches, der dem nach ver-branntem Home gleicht, in eine voluminöse, schwer verbrennliche stickstoff-haltige Kohle. Man bedient sich öfters dieser Merkmale, um vegetabilischeGespinstfasern von der Seide zu unterscheiden, was auch in den meistenFällen zum Ziele führt; es muss jedoch bemerkt werden, dass es sehrfeinfädige Seiden giebt, beispielsweise Poil, die sich beim Brennen ähnlichwie Baumwolle verhalten, d. h. die, fast ohne Rückstand zu hinterlassen,verglimmen; das richtige Urteil wird dann um so schwieriger, als es hoheFadennummern von Baumwolle, Leinen und namentlich Chinagras giebt, dieganz die Feinheit und den Glanz der Seidengespinste besitzen. Bei derPrüfung feiner Fäden empfiehlt es sich daher, dieselben nicht unmittelbaranzubrennen, sondern in einer Eprouvette über einer Flamme gelinde zuerhitzen, um das Schmelzen sowie die Entwickelung der mit Hilfe von an-gefeuchtetem Lackmuspapier wahrnehmbaren Ammoniakdämpfe beobachtenzu können. Auch trifft es sich mitunter, dass namentlich die Schussfäden,die in der Regel erschwert sind, nach der Verkohlung weiter glimmen, wasdavon herrührt, dass grosse Mengen Kastanienextrakt zu ihrer Erschwerungangewandt worden sind. Unter Umständen zeigen solche Gespinste dasPhänomen der Selbstentzündbarkeit.

Wie für Wärme, so ist die Seide auch ein sehr schlechter Leiterfür Elektrizität. Sie findet daher bekanntlich als Isolator für elektrischeLeitungen ausgedehnte Verwendung. Durch Reibung wird sie aber selbstelektrisch und zwar entweder positiv oder negativ. Von zwei miteinandergeriebenen weissen Seidenbändern wird das quer zum Deckfaden geriebenenegativ, das der Länge nach geführte positiv elektrisch. Nasse oder auchnur feuchte, vor allem aber geölte Seidenfaser zeigt das Phänomen in vielschwächerem Grade. Besonders leicht elektrisiert sich die Seide, wenn sietrocken und durch saure Bäder aviviert worden ist; der letztere Umstanderklärt sich vielleicht daraus, dass ihre Oberfläche durch die Säure rauherund demgemäss elektrisierbarer wird. Wie es auch sein'mag, unterhält dieeinmal elektrisierte Seide trotz ihres nachträglichen Anschlusses an gute