Leitungsvermögen der reinen und verfälschten Seide.
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Leiter, wie Metalle, ihren elektrischen Zustand unbestimmt lange Zeit hin-durch. Bei der Verarbeitung der Seidenabfälle in der Florettspiunerei ver-ursacht diese leichte Elektrisierbarkeit der Seide, die beim Reiben der Faseran den Karden und Kämmen mit besonderer Schärfe hervortritt, 'grosseUbelstände. Die Fasern stossen sich gegenseitig ab, die Faserbiischel oderBärte gehen auseinander, statt parallele Lage zu behalten oder bleiben anden Maschinenteilen hängen, wodurch der normale Gang des Prozesses we-sentlich beeinträchtigt werden kann. Man hat dem Übel einerseits durchstärkeres Einfetten resp. Einseifen des Florettmaterials vorzubeugen gesucht,andererseits durch Konstruktion zahlreicher, aber erfolgloser Vorrichtungen,die die Fasern durch Anpressen an gute Leiter entladen sollten. Man hilftsich heutzutage damit, dass man die Arbeitsräume, indem man Dampf ein-strömeu lässt, stark feucht und sehr warm erhält, wodurch bekanntlich dasElektrisiervermögen vermindert und die Leitungsfähigkeit erhöht wird.Dieses Verfahren übt indessen auf die Festigkeit der Faser einen nach-teiligen Einfluss aus und bringt die Maschinen schneller zum Verrosten.Nach einem anderen Verfahren wird die Seide von der anhaftenden Elek-trizität in hermetisch verschlossenen Behältern aus gut leitendem Materialunter Anwendung der Luftleere befreit, wobei zur Beschleunigung der Ent-ladung den Behältern die entgegengesetzte Elektrizität zugeführt werdenkann : ).
Dass die Seidenfaser absolut kein Leiter für Elektrizität sei, ist in-dessen nur relativ richtig. Bei reiner Faser und trockenem Luftzustande(36° am Haarhygrometer) trifft dies allerdings zu, indem ein in den dyna-mischen Stromkreis eingeführter Seidenfaden gar keine Ablenkung im Gal-vanometer verursacht 2 ). Anders verhält es sich aber mit den gefärbten undspeziell mit den schwarzfarbigen Seiden. Die geringste Ablenkung, welcheman damit erzielt, beträgt 3—4°, während die hocherschwerten Seiden nichtselten eine Ablenkung der Galvanometernadel um 40° bewirken können.Noch schärfer tritt die Leitungsfähigkeit der erschwerten Seide für denelektrischen Strom hervor, wenn man die Atmosphäre auf einen gewissenGrad von Feuchtigkeit gebracht hat. Die schwarz gefärbte, meist mitMetallsalzen beladene Seide ist in absolut trocknem Zustande im allgemeinenkein guter Leiter; ein kurzes Verweilen in der gewöhnlichen Luftatmo-sphäre genügt indessen, um merkliche Ablenkungen im Galvanometer hervor-zurufen und somit die Feststellung ihres Leitungsvermögens zu ermöglichen.Man könnte diesen Umstand damit erklären, dass solche feuchte und meistmit Eisensalzeu beladene Seide gleichsam als eine Metallsalzlösuug aufzu-fassen und daher ein desto besserer Leiter sei, je mehr Metall sie enthält. AufGrund einer Reihe praktischer Beobachtungen wäre es somit möglich, denZusammenhang zwischen der Menge des Metallsalzes in der Faser und dem
') Bright, Englisches Patent No. 699 (1878). — 2 ) Du Moncel, Compt. rend. del’Ac. Sc. Bd. 79, S. 945.