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Festigkeit und Elastizität. Serimeter.
Unter der Festigkeit der Seide versteht man die absolute Zugfestigkeitoder das Gewicht, bei dessen Zuge ein über die Duktilitätsgrenze hinaus-gedehnter Seidenfaden zerreisst; unter der Elastizität, einer üblichen aberunrichtigen Bezeichnung, die Verlängerung, welche unter dem Einflüsse derMaximalzugkraft stattfindet. Beide Werte werden mittels eines den NamenSerimeter führenden Apparates bestimmt, der den für die Prü-fung anderer Textilfasern gebräuchlichen Festigkeitsmessern imPrinzip analog ist.
Von den älteren Serimetern sei der von Regnier kon-struierte, Mitostenometer genannte Apparat erwähnt, der dieUnregelmässigkeiten der Fadenstärke und die Zugfestigkeitdurch Strecken des Fadens bis zum Reisseu feststellte.
Das Serimeter besteht im wesentlichen aus einem Dynamo-meter, an dem ein Ende des zu prüfenden Seidenfadens (üb-licherweise von 50 cm Länge) befestigt wird, während das an-dere vermittelst eines abwärts in den Leisten eines Rahmensfrei herabfallenden Gewichtes angezogen wird, so dass der fest-gespannte Faden einer von der Dynamometerskala angegebenenZugkraft ausgesetzt wird. Die Fallbewegung des Gewichteswird durch einen Uhrmechanismus mit einem Flügelregulatorzu einer gleichmässigen gestaltet. Ein an dem Gewichtsstückangebrachter Stift zeigt an einer Skala die Fallstrecke an undsomit die Verlängerung oder Ausdehnung des Fadens. Infolgeder Bauart des sich durch die Ausdehnung einer Sprungfeder bewegendenDynamometers bleibt die obere Klemme des Apparates nicht konstant, son-dern bewegt sich im Mafse der Zunahme der Zugkraft, nach unten; ihrWeg muss natürlicherweise von dem Betrage der Ausdehnungsläuge abge-zogen werden. An richtig konstruierten Apparaten sind übrigens sehr ein-fache Vorrichtungen, z. B. eine freihängende Schnur mit einem Zeiger,vorhanden, welche ein direktes Ablesen dieser Korrektur ermöglichen. DurchAusrücken eines Stiftes wird beim Beginn der Operation das Gewichtsstückin Fallbewegung gesetzt und der Faden langsam und gleichmässig bis zumReissen angezogen. Ein an den Faden angelegter Stift, der sich loslöst,sobald der erstere reisst, bewirkt durch sofortige Arretierung des Gewichts-stücks und Uhrwerks den Stillstand des Apparates. Die Dynamometerskalazeigt die Maximalzugkraft in Gramm, die untere Skala die Ausdehnung inCentimetem an. Da die Ausdehnung der Länge des Fadens proportionalist, so verdoppelt man das für 50 cm erhaltene Resultat, um die Elastizi-tät in Prozenten auszudrücken. Es würde zu weit führen, alle Kon-struktionen des Serimeters, sowie der anderen zur Festigkeitsprüfung derSeidengespinste gebräuchlichen Apparate aufzuzählen.' Übrigens werden amSerimeter nur die Rohseiden (Gregen) geprüft, während gezwirnte Seidenund vor allem die Fautaisiegespiuste mit Vorteil auf gewöhnlichen Faden-dynamometern oder dem sogenannten mathematischen Examinator von
Fig. 128Serimeter.