Thermochemische Reaktionen der Seide.
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Wärmemengen in Kalorien, die gegen 12° der Luftwärme durch denKontakt der Seidenfaser mit einer der folgenden Lösungen entwickelt werden:
Rohseide Entbastete Seide
für
für
für
für
100 g
^'' 141 -^ 222-^48 ^56
100 g
^1 41 2 2 -^48 ^
in g
in g
Wasser.
0,10
3,50
0,15
5,20
Normalkalilauge . . .
1,35
47,00
1,30
45,25
Normalnatronlauge . .
1,55
53,95
1,30
45,25
Normalammoniak . .
0,65
22,65
0,50
17,40
Normalschwefelsäure
0,95
33,10
0,90
31,35
Normalsalzsäure .
0,95
33,10
0,90
31,35
Normalsalpetersäure
0,90
31,35
0,85
29,60
Normalchlorkalium . .
0,20
6,95
0,10
3,50
Summa
6,65
6,00
Nach dem Gesetz von Berthelot stellt jede dieser Zahlen die Summeder chemischen und physikalischen Arbeit dar, welche beim Kontakt derSeide mit diesen Lösungen geleistet wird. Das konstante Verhältnis zwischender Reaktionsfähigkeit der rohen und der abgekochten Seide lässt auf dieVerwandtschaft des Bastes und des Fibroins im chemischen Sinne schliesseu;-andererseits aber auf die grössere Reaktionsfähigkeit des ersteren, d. i. seinechemische Affinität, wenn von einer solchen die Rede sein kann. DieSumme der thermochemischen Wirkungen für alle obigen Lösungen beträgtfür die Rohseide, wie oben, 6,65, während dem Fibroin nur 6,00 zukommt.
Ziehen wir den Gehalt der Rohseide an Bast in diesem speziellen Fallegleich 22,94°/ 0 in Betracht, so ergiebt sich, wenn man mit X die durch100 g des Sericins entwickelte Wärmemenge bezeichnet, die Gleichung
V«'. 0,2294 + 6,00«'. 0,7706 = 6,65«'. 1 öder X= 8,84**
Das Verhältnis des thermischen Reaktionsvermögens oder, was gleich-bedeutend ist, der chemischen Aktivität des Bastes und der eigentlichenSeideufaser ist demnach 8,84 cal: 6,00 cal — 1,47; das Sericin ist somit inchemischem Sinne beinahe anderthalbmal aktiver, als das Fibroin.
Die für die Schaf- und Baumwolle ausgeführten thermochemischen Mes-sungen ergaben die geringere Aktivität der Wolle der Seide gegenüber, dieschwächere Affinität der Baumwolle für Salze, Säuren etc. gegenüber denanimalischen Fasern überhaupt und, nebenbei bemerkt, die grössere Affinitätder gebleichten Baumwolle für Basen, was zweifelsohne auf das beim Blei-chen durch Oxydation gebildete Analogon des Sericins, die Oxycellulose,einen Körper von saurer Natur, zurückzuführen ist.
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