Einwirkung der Alkalien.
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flaumiges Aussehen annimmt. Es scheint, dass Kalk eine Verbindung mitder Faser und speziell mit dem Sericin eingeht; denn das fixierte Kalk-quantum lässt sich durch Wasser gar nicht und mit einer Mischung vonSalzsäure und Oxalsäure nur langsam entfernen. Die mit Kalk erschwerteSeide stäubt ab und zeigt nach dem Eutbasteu nur einen matten Glanz.In der Kokonfaser bewirken die Erdalkalihydrate die Auflösung der in-krustierenden Substanz schon bei gewöhnlicher Temperatur, so dass die mitKalkmilch getränkten Kokons kalt und trocken abgehaspelt werden können.Da aber, wie erwähnt, Kalk u. dergl. eine ungünstige, oft erst bei spätererVerarbeitung sich zeigende Wirkung haben, so ist dies Verfahren nichtpraktisch und soll überhaupt die Anwendung des kalk- und magnesiahaltigeuWassers bei der Verarbeitung der Seide in Wegfall kommen. Eine Aus-nahme hiervon macht das Schwarzfärbeverfahren der assouplierten Seide,wobei zur Fixierung des von der Faser aufgenommenen Eisenoxydhydrats dienachträgliche Behandlung in harten Waschbädern erforderlich ist. In sehrverdünntem Zustande wirkt das Barythydrat als Lösungsmittel für den Bast.Es wurde auch seinerzeit von der Lyoner Firma Gillet-Pierron als Ent-bastungsmittel vorgeschlagen und angewendet.
Eine interessante und wissenschaftlich wichtige Wirkung übt das Baryt-wasser auf die Seide hei erhöhter Temperatur und unter Druck, wobei einHydratierungsprozess, d. i. eine Wasserzuführung in das Molekül, untergleichzeitiger Sprengung des letzteren, stattfindet. Diese von Schützen-berger ausgearbeitete Reaktion gewährt, wie man weiter unten sehen wird,einen Einblick in den inneren Bau des Seidenmoleküls. Mit Barythydratgekocht, liefert das Fibroin die sogenannte Sericiusäure von der FormelC 15 H so N t 0 7 >).
Von ähnlicher, aber weit weniger durchgreifender Wirkung, wie dieAlkalien, sind die Alkalikarbonate und in noch geringerem Mafse die Sili-cate und Borate, welche in verdünnten heissen Lösungen nur den Bast an-greifen. Borax wurde von Bolley, Wasserglas von Gillet zu Entbastungs-zwecken vorgeschlagen. Auch das Natriumsulfid und die Alkalipolysulfide,sowie Alkalizinkate und Aluminate, üben auf den Seidenleim eine lösendeWirkung aus, während sie das Fibroin gänzlich unberührt lassen; gleich-zeitig wird auf der Faser etwas Zinkoxyd resp. Thonerde fixiert. Alle dieseEntbastungsmittel haben zwar grosse Wirkungskraft, in Bezug auf dieEigenschaften der Faser, ihren Griff, Glanz etc. aber doch üble Nach-wirkungen und konnten daher die jetzt durchweg angewendete Seife nichtverdrängen. Von Ätzammoniak wird weder der Bast noch die Seidenfaserim geringsten angegriffen; enthält es aber empyreumatische Verunreinigungen,so greift es namentlich heiss die Seide an, die durch Fixierung dieser or-ganischen Stoffe an Gewicht zunimmt und gleichzeitig rauh und matt wird.
9 Waldenberger, Jahresb. f. Chemie 1853, S. 616.