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Einwirkung der Säuren.
Niederschlags (etwa wie Kieselsäure) gefällt, der durch Austrocknen hei ge-wöhnlicher Temperatur das Aussehen des trocknen Albumins annimmt. Indiesem Zustande verliert das Fibroin seinen Glanz und seine sonstigenEigenschaften mit Ausnahme des optischen Drehvermögens und des spez.Gewichtes, ist aber chemisch mit dem Fibroin der Seidenfaser völlig iden-tisch 1 ). Dieser Körper scheint mit dem von Weyl in ähnlicher Weise dar-gestellten Sericoin 2 ), welches stickstoffärmer als das Fibroin ist, also nichtidentisch zu sein. Das Sericoin von Weyl liefert durch Spaltung mitkochender verdünnter Schwefelsäure, wie das Fibroin, Glycocoll und Tyrosin,sowie andere Zersetzungsprodukte, welche die Biuretreaktion zeigen. DurchMilions Reagens wird das Sericoin rot gefärbt und in der Schweizer -schen Lösung löst es sich leicht auf. Durch Fuchsin und Pikrinsäure wirddas Sericoin nicht gefärbt, enthält somit die den tinktoriellen Charakterder Seide bedingenden Amido- und Carboxylgruppen entweder gar nichtoder nur in deshydratierten wirkungslosen Resten. Das Sericoin ist, wie dieAnalysen beweisen, aus dem Fibroin durch Abspaltung einiger Ammoniak-reste entstanden. Merkwürdig erscheint, dass das Sericoin von Weyl, um-gekehrt wie das Vignonsche Produkt, optisch inaktiv ist. Wahrscheinlichrührt der Unterschied zwischen diesen beiden Körpern von den verschiedenenTemperatur- und Einwirkungsdauerverhältnissen her.
Die salzsaure Lösung der Seide liefert beim genauen Neutralisiereneinen Niederschlag, der sich chemisch von ihr nicht sehr unterscheidet, aberdie Eigenschaft besitzt, sich in Ammoniak aufzulösen, die der Seide abgeht.
Im Vergleich zur Wolle ist die Seide Säuren gegenüber auf die Dauervon geringer Widerstandskraft; sie verträgt aber leichter eine andauerndeEinwirkung schwacher Alkalien. Sie büsst nicht wesentlich von ihrem Ge-füge ein, während die Wolle gelblich gefärbt und gänzlich weich (aus-gelaugt) wird. Die Ursache davon scheint in dem Schwinden des natür-lichen Fettgehalts der letzteren zu liegen, welcher für ihr Gefüge wesentlichist. Da sich Baumwolle den Alkalien gegenüber bekanntlich ziemlich passivverhält, wenn man von der dabei stattfindenden als Mercerisieren bekanntenphysikalischen Molekularveränderung absieht, durch Säuren aber genügendenergisch aufgelöst wird, so ist man im stände, durch diese zwei Agenzieneine Trennung der Seide von der Baumwolle zu bewirken. Nach Villa-vecchia und Hannau wendet man am besten folgendes Verfahren an.Nachdem der Feuchtigkeitsgehalt der Probe bestimmt worden ist, werden5 g eine 1 / i Stunde mit 100 cc Sodalösung (t : 1000) gewaschen und mit100 cc Kalilauge (10%) im Wasserbade so lange erwärmt, bis die Seidegelöst ist; der Rückstand wird mit dreiprozentiger Salzsäure eine Viertel-stunde gewaschen, mit Wasser ausgekocht, nach dem Ausspülen mit Alkoholund Äther getrocknet und gewogen. Zur direkten Bestimmung der Seide
*) Vignon, Compt. rend. 1892 S. 614. — a ) Ber. d. d. chem. Ges. Bd. 21 S. 1529.