Einwirkung der Säuren.
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■werden abermals 5 g, wie oben, mit Soda gewaschen und auf dem Wasser-bade mit Salzsäure bis zur Auflösung der Baumwolle erwärmt. Der Rück-stand wird dann, wie oben angegeben, behandelt.
In konzentriertem heissen Zustande zerstört die Salpetersäure die Seideund verbrennt (oxydiert) sie zu Oxalsäure, wobei etwas Trinitrophenol (Pi-krinsäure) entsteht. In gewöhnlicher Salpetersäure löst sich Seide leichtauf und zwar leichter, als Wolle 1 ). Merkwürdig reagiert verdünnte Sal-petersäure. Schon Mulder gab an 2 ), dass eine verdünnte Lösung derSalpetersäure (6—8° Be) die Seidenfaser unter Bildung von Xanthoprotein-säure chemisch verändert und dabei gelb färbt; durch Ammoniak oder Al-kalien wird die blassgelbe Färbung dunkler und bräunlich, da xanthoprotein-saure Salze entstehen. Diese Färbungsart wurde sogar eine Zeitlangunter dem Namen „mandarinage“ technisch verwertet, weil sie echte Farbenerzeugt. Ist auch die Muldersche Hypothese der Bildung einer Xantho-proteinsäure annehmbar, so ist die letztere, wie weiter unten ausgeführtwird, nicht als Reaktionsprodukt der reinen Salpetersäure zu betrachten,wie das auch erklärlich wird, wenn man bedenkt, dass Mulder wahrschein-lich mit unreiner Salpetersäure arbeitete. Übrigens ist die Xanthoprotein-säure von Mulder nach seiner Beschreibung der Darstellungsweise aus einerzersetzten Seide hervorgegangen, die vollständig ihre faserige Beschaffenheitverloren hatte. Diese Säure ist ein unkrystallinischer, stark saurer, orange-gelber Körper ohne Geruch und Geschmack, der verkohlt ohne zu schmel-zen. In Alkalien löst sie sich unter dunkelroter Färbung und wird durchNeutralisierung wieder ausgefällt. Sie enthält: C — 50,78, H —6,60,N —14,00. Dass diese Xanthoproteinsäure ein stark oxydierter Körper ist,geht schon aus der niedrigen Stickstoffzahl hervor.
Neuere Untersuchungen haben die Voraussetzung, dass die gelbe Fär-bung der Seide nicht durch reine Salpetersäure hervorgerufen wird, be-stätigt. Durch die ca. eine Minute andauernde Wirkung verdünnter Sal-petersäure von 1,133 spez. Gewicht bei 45° C. wird die charakteristischestarkgelbe Färbung erhalten, die sich als echt gegen Luft und Licht er-weist und durch Alkalien dunkler wird. Das Merkwürdige bei dieser Re-aktion ist aber, dass die chemisch reine, von salpetrigen Produkten befreiteSalpetersäure keine Färbung hervorruft. Die letztere tritt aber sofort ein,wenn man in der Salpetersäure durch Zusatz von Natriumnitrit, sal-petrige Säure erzeugt. Je nach der Menge der letzteren variiert die In-tensität der gelben Färbung. Auch durch Erwärmung des Bades wird siedunkler. Das obige gelb gefärbte Produkt zeigt eine Gewichtszunahme von2,7—3°/ 0 , wahrscheinlich ist es eine Art nitrierten Derivates, das sich vomFibroin durch Mehrgehalt an Stickstoff und Mindergehalt an Kohlenstoff
*) Barreswill, Jahresber. f. Chem. 1857, S. 649. — Kopp, ibid., 1871, S. 1103.— 8 ) Journ. f. prakt. Chemie, Bd. 16 S. 897, Bd. 20 S. 352, Bd. 21.