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Einwirkung der Säuren.

und Sauerstoff unterscheidet 1 ). Durch salpetrige Säure färbt sich die Seideunter Bildung eines Diazoderivates schwachgelb, welche Färbung alsbaldverschwindet. Wird nun das frische Diazoprodukt mit reiner Salpetersäurebehandelt, so wird es stark gelb und zwar echt gefärbt. Dieselbe Erschei-nung tritt ein, wenn die in einer Atmosphäre von Kohlensäure oder in ge-kochtem Wasser behandelte Seide mit Stickoxyd (NO) und Stickperoxyd(N0 2 ) behandelt wird. Bemerkenswert ist jedoch, dass das reine Stickoxydbei Abschluss von Luft keine Färbung hervorruft, während das Peroxydauch unter diesen Umständen die Reaktion zu stände bringt. Die diazotierteSeide liefert mit einer durch Salzsäure angesäuerten Permanganatlösungdieselbe charakteristische gelbe Färbung, die man mit unreiner Salpetersäureerhält. Es scheint also, dass der Salpetersäure in der Reaktion keine ineigentlichem Sinne nitrierende, sondern eine oxydierende Wirkung zukommt,so dass der Vorgang einerseits der Anwesenheit von NO, N0 2 oder I1N0 2bedarf, andererseits der Anwesenheit von Salpetersäure oder eines anderenpassenden Oxydationsmittels. Der so erhaltene Körper, eine Art von Nitro-fibroin (in der Rohseide eine Mischung von Nitrosericin mit dem letzteren),den man in Ermangelung einer besseren Bezeichnung Xanthofibroin resp.Xanthosericin nennen könnte, wird durch konzentrierte heisse Lösung vonZinnchlorür nur langsam entfärbt. Auch Chromchlorür, ein gleich kräftigesReduktionsmittel, bringt keine stärkere Wirkung hervor. Alkalische Re-duktionsmittel sind ohne Einwirkung. Die Elementaranalyse eines Xantho-fibroins, das gegen das Fibroin eine Gewichtszunahme von 2% zeigt, ergabfolgende Resultate:

Fibroin

Xanthofibroin

c

48,30

46,80

II

6,50

6,50

N

19,20

21,60

0

26,00

25,10

Aus dem angeführten Verhalten der Seide gegen die Salpetersäuregeht hervor, dass hei der Bildung des Xantliofibroins der Stickstoff zuerstals Nitrosogruppe (NO) von der Seide fixiert wird, welche Gruppe nach-träglich durch die oxydierende Wirkung de! Salpetersäure etc. in die Nitro-gruppe übergeht. Da, wie aus obigen Zahlen hervorgeht, das Xanthofibroinärmer an Kohlenstoff ist, als das Fibroin, so dürften wohl die Nitrogruppenbeim Eintritt in das Molekül nicht allein die Wasserstoffatome, sondernauch die Karboxylgruppen — wahrscheinlich unter simultaner Bildung vonKohlensäure und Oxalsäure — ersetzen.

Das Xanthofibroin nimmt, wie erwähnt, mit Alkali behandelt, einedunklere Farbe an, deren Nuancierung je nach dem letzteren von bräunlicli-

*) Vigno ( n & Sisley, Compt. rend. 1891 S. 701.