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Zweiter Band.
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Zusammensetzung der Rohseide.

des Bades und der Einwirkungsdauer ab. Nur durch genaue Regelung dieserdrei Faktoren können praktische Resultate erzielt werden. Eine sehr ener-gisch wirkende Säure von zu geringem spez. Gewicht z. B. ergiebt ebenso-wenig das gewünschte Resultat, wie eine Säure von zu grosser Konzentra-tion, oder ein Bad von zu hoher Temperatur oder zu langer Dauer u. s. w.Nach Depouilly & Garnier darf bei Anwendung von Schwefelsäure dieKonzentration bei 15° 1,375—1,4 nicht übersteigen, die Temperatur kannvon 15 bis 37° und die Dauer der Behandlung von 5—15 Minuten variieren.Mit Salzsäure und Salpetersäure wird, scheint es, am besten bei 5° gearbeitet,mit Orthophosphorsäure bei 25° u. s. w.

Schlägt man heutzutage in einem beliebigen Handbuch der Chemieoder Technologie das Kapitel „Seide“ auf, so findet man sogar bei Werkenneueren Datums, dass die angeführten analytischen Daten noch in das Jahr1837 hineinreichen und dass im allgemeinen auf die schon veralteten Unter-suchungen von Mulder 1 ) u. A. verwiesen wird, ohne dass ihre Richtigkeithinreichend geprüft ist. Dies befremdet um so mehr, als die Arbeitsweisevon Mulder, wie im nachfolgenden bewiesen wird, als unrichtig bezeichnetwerden muss.

Um die Rohseide in ihre Bestandteile zu zerlegen, wurde von Mulderihre successive Behandlung mit kochendem Wasser, Alkohol, Äther und mitEssigsäure angewendet. Durch das einige Tage dauernde Kochen mit Was-ser sollte der Rohseide ein leimartiger Stoff, das Gelatin (Gallerte) undneben den Fettbestandteilen noch ein Teil der Eiweisssubstanz (Albumin)entzogen werden. Aus dem Wasserrückstand wurden zuerst die Fette durchAlkohol ausgezogen und dann durch warmes Wasser das Gelatin vom Al-bumin getrennt. Die nun mit Alkohol und Äther behufs Entfernung vonWachs und Farbstoff extrahierte Seide wurde der Einwirkung kochenderEssigsäure unterworfen, welche die Faser von dem Rest des Albumins be-freien und somit die reine Seidenfaser zurücklassen sollte. Die essigsaureLösung des Mulderschen Albumins, von welcher übrigens nur mit Vorbehaltangenommen werden kann, dass sie, wie er angiebt, mit Ferrocyankali ge-fällt wurde, sollte nun als fester Rückstand genau dem Verluste der Seiden-faser bei dieser Behandlung entsprochen haben.

In seiner zweiten Abhandlung wurde von Mulder ein etwas abweichen-der Weg der quantitativen Untersuchung vorgeschlagen, der darin bestand,dass man die Rohseide a priori mit kochender Essigsäure behandelte undso mit einem Schlag das reine Fibroin erhalten konnte; aus der essigsaurenLösung wurden dann in der vorher angedeuteten Weise Gelatin , Albuminund Fett abgeschieden. Auf Grund seiner Untersuchung gab nun Mulderfolgende Zusammensetzung der Rohseide an, die bis heute als unantastbargilt und in alle Lehr- und Handbücher übergegangen ist. Er fand durch-schnittlich :

') Über die Zusammensetzung der Seide. PoggendorfTs Annal . 1836, 1837.