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Zweiter Band.
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Einwirkung der Säuren.

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deutend grösser, als der direkte Verlust der Seidenfaser; andererseits kanndie Essigsäure im Rückstand vermittelst arseniger Säure oder Schwefelsäureund Alkohol nachgewiesen werden, übrigens scheint dieses Acetosericin vongeringer Beständigkeit zu sein; durch Wasser wird es schon bei mässigerWärme zersetzt und zum grössten Teil gelöst. Bei längerer Einwirkungvon kochender Essigsäure (15—20 Stunden) wird ausser dem Sericin auchdas Fibroin angegriffen und gelöst. Während der direkte Verlust der Seidebei der kurzen Behandlung mit Essigsäure 25—30°/ 0 beträgt, beläuft ersich in diesem Fall auf etwa 40%. Dagegen ist die Gewichtszunahme desRückstandes aus essigsaurer Lösung unverhältnismässig grösser und weistdarauf hin, dass bei der längeren Einwirkung der Essigsäure auf die Seidenicht nur die Faser selbst weiter angegriffen wird, sondern dass auch diegelösten Bestandteile eine Modifizierung in chemischem Sinne erleiden. DerRückstand, der sich bei längerer Behandlung ergiebt, ist in weit höheremMafse wasserlöslich und besteht, wie seine Eigenschaften zeigen, ausmehreren, zum grössten Teil zersetzten Körpern. Dieses Gemisch stelltwahrscheinlich acetylierte Glucoproteiukörper und Leucine vor, die bei ein-greifender Wirkung des Eisessigs durch Spaltung der Moleküle entstandensind. Das reine Fibroin wird von kochender Essigsäure zwar langsam, aberdoch stetig gelöst 1 ); in dem Zustande als Faser ist die Lösungsgeschwindig-keit etwa 0,4—0,5% pro Stunde.

Schmelzende organische Säuren sind ohne eingreifende Wirkung undlösen die Seide nur auf, ohne das Molekül anzugreifen. Nach Lidow lösen10 g schmelzende Oxalsäure bis 12 g Fibrom auf; die Masse lässt sich mitWasser verdünnen, ohne sich zu trüben. Durch Zusatz von Alkohol 96°oder Chlornatrium erhält man einen faserigen Niederschlag von Fibroin.Ähnlich wie Oxalsäure verhalten sich Gallussäure, Pyrogallol, Citronensäure,und Weinsäure. Die Reaktion ist von Lidow zur Trennung der Seide vonanderen Gespinstfasern benutzt worden, da weder Wolle noch Baumwolle vonder Oxalsäure angegriffen werden 2 ).

Unter der Einwirkung mässig konzentrierter Säuren erleidet die Seiden-faser eine morphologische Veränderung: sie zieht sich zusammen. DieselbeWirkung üben auch Ätznatron und Chlorzink, wenn man sie unter geeig-neten Umständen auf die Seide einwirken lässt. Die Kontraktionsfähigkeitder Seide wird industriell zur Herstellung sogenannter bossierter Gewebeverwertet, indem bei den Ganzseidenstoffen obige Reagenzien stellenweiseaufgedruckt werden, wodurch Muster entstehen. Auch werdeii Halbseiden-stoffe in den betreffenden Bädern behandelt, wobei sich die Seide allein ver-kürzt, Baumwolle, Wolle etc. aber ihre Länge beibehalten und durch dieSeide zu gekräuselten Fäden zusammengezogen werden. Der Bossiereffekthängt von dem Konzentrationsgrad der augewandten Säure, der Temperatur

') Francezon, Notes etc. S. 55.

s ) Ber. d. deutsch, ehern. Ges. XIII. Ref. 255.