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Zweiter Band.
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Das Sericin und seine Reaktionen.

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Mau ersieht hieraus, dass die echte Seide der wilden in chemischerHinsicht ziemlich nahe steht, und dass also die zwischen beiden bestehendenUnterschiede mehr morphologischer Natur sind. Das Fibroin und das Se-ricin weichen indessen auch in ihren chemischen Eigenschaften voneinanderab und müssen einzeln besprochen werden.

Das Sericin oder der Seidenbast ist ein Proteinstoff und trägt auchinfolge seiner Verwandtschaft mit Leimstoffen den Namen Seidenleim.Vom gewöhnlichen tierischen Leim' unterscheidet es sich durch seine Un-löslichkeit in heissem Wasser. Zwar wird es von der Rohseide durchkochendes Wasser abgezogen; die sich ergebende Lösung stellt indessennicht das Sericin vor, sondern seine Modifikation. Ähnlich ist die Gela-tinelösung eine Modifikation des unlöslichen Osseins. Um die lösliche Mo-difikation des Sericins darzustellen, fällt man seine durch Digerieren derRohseide mit Barythydrat und genaues Neutralisieren mit Schwefelsäuregewonnene Lösung mit Bleiessig, zersetzt den ausgewaschenen, in Wassersuspendierten Niederschlag mit Schwefelwasserstoff und dampft die erhalteneLösung ab, nachdem zuvor etwas Alkohol zugesetzt worden ist, um durchGerinnen eines Teiles des Sericins die Spuren von Bleisulfid auszufällen.Aus der eingedampften Lösung wird durch Zusatz von absolutem Alkoholdas Sericin ausgefällt und durch Auskochen mit Alkolil und Äther gereinigt.Dieses Sericin ist ein farbloses, geruch- und geschmackloses Pulver, das inkaltem Wasser aufquillt und sich in heissem Wasser leicht auflöst. Einesechsprozentige Lösung erstarrt beim Erkalten gallertartig, obwohl sie be-reits bei einem Gehalt von l°/ 0 gelatiniert. Die Erstarrungsfähigkeit wirdindessen durch langes Kochen, sowie durch Zusatz von ein wenig Kalilaugeoder Essigsäure aufgehoben. Die wässrige Lösung wird durch Alkohol,Äther, Metallsalze und Gallusgerbsäure gefällt, nicht durch Ferrocyankaliumoder Essigsäure. Alaun und schwefelsaures Eisenoxyd erzeugen keinenNiederschlag, sofern man keine basischen Salze verwendet; die letzterenverhalten sich entgegengesetzt, eine Reaktion, die für Schwarzfärbeprozessevon grosser Wichtigkeit ist. Von dem gewöhnlichen Leim (Chondrin undGlutin) unterscheidet sich das Sericin noch durch die Serinbildung beimKochen mit verdünnter Schwefelsäure. Cramer soll indessen bei längererEinwirkung kochender Schwefelsäure das dem gewöhnlichen Gelatin zu-kommende Glycin C i H b VÖ 4 erhalten haben, das sich nach der Abschei-dung des Tyrosins und Leucins isolieren lässt. Somit wäre eine nahe Ver-wandtschaft des Gelatins und Sericins dargethan, die andererseits auch durchihre Zersetzungsweise beim Erhitzen mit Barythydrat bestätigt wird. Vonden Elementaranalysen des Sericins möge die von Bolley angeführt werden,aus welcher die Formel C lb H 25 X 5 0 8 , oder wahrscheinlicher ein Multiplumderselben, hervorgeht: C 44,32; H 5,18; X 18,30; 0 31,20.

Über die Entstehungsweise des Sericins hat Bolley folgende Hypothese

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