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Zweiter Band.
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Das Sericin.

aufgestellt 1 ). Nach seiner Ansicht enthalten die beiden Seidendrüsen derRaupe nur eine einheitliche Substanz, das Fibroin, das, nachdem es von derRaupe zum Kokonfaden versponnen wurde, durch die oxydierende Wirkungder Atmosphäre und Feuchtigkeit oberflächlich in den Seidenleim nach derGleichung C 1S H 2S N s 0 6 -f 0 + H 2 0 = C 15 H iS N s 0 8 verwandelt wird.Die Bestätigungen dieser Hypothese durch von Bolley und Rosa ange-stellte Versuche 2 ), sowie durch den Umstand, dass das Fibroin durchLiegen an feuchter Luft oberflächlich wasserlöslich wird, sind nicht stich-haltig, da, wie die anatomisch-physiologischen Untersuchungen gezeigthaben, der Seidenbast bereits im Innern der Raupe gebildet wird. Es istindessen festgestellt, dass der Seidenleim aus dem Fibroin durch teilweiseOxydation vermittelst der Luftkanäle (Tracheen) entsteht, und so trifft dieBolleysche Voraussetzung doch wenigstens einigermafsen zu. Fibroin undSericin dürfen somit nicht in ganz absolutem Sinne als zwei einheitliche,voneinander unabhängige Körper von verschiedener Konstitution und ver-schiedenen Eigenschaften aufgefasst werden, trotz ihres verschiedenen Ver-haltens gegen Reagenzien. Es sind dies Körper von gleichem Ursprungund chemischem Typus, und die Unterschiede beruhen auf der verschiedenendurch die physiologische Art der Absonderung bedingten Rolle, die sie inder Faser spielen.

Die wilde Seide besitzt keinen Bast im eigentlichen Sinne des Wortes,d. i. einen Körper, der die Faser umhüllt und zusammenhält. Das Zement,welches die Fasern im Kokon so fest aneinanderkittet (harnsaures Natriumund Calcium), wird bereits bei der Vorbehandlung der Kokons zum Haspelnentfernt, während die wilde Rohseide nur einen geringen Teil des Kleb-stoffes beibehält. Dafür nimmt sie aus dem Haspelwasser die verschiedenenorganischen und mineralischen Stoffe auf, die man behufs Erleichterung desAbwickelns zuzusetzen pflegt (Pflanzensäfte, Pflanzenasche, Gerbstoffe etc.).Von diesen, teils auf der Faser der Zersetzung anheimgefallenen Stoffenrührt der üble Geruch, der dem Handelsprodukt anhaftet, und die gelb-braune Farbe der Gespinste her. Beim Abkochen der Tussah mit Wasserlöst sich der grösste Teil des Tussahbastes auf. Die wässrige Lösung desletzteren giebt Reaktionen, die auf einen Gehalt von Gerbstoffen hindeuten.

Aus der mit kochendem Wasser extrahierten Tussah zieht Alkohol einewachsähnliche Substanz von saurem Charakter aus, deren Menge etwa1—1,2 °/ 0 beträgt. Sie ist wahrscheinlich eine Fettsäure, löst sich leicht iuNatronlauge und wird daraus mit Salzsäure ausgefüllt, ist in Soda schwerund in einer Seifenlösung, sowie Schwefelkohlenstoff und Äther leichtlöslich.

Die eigentliche Seidenfaser, das Fibroin, ist viel eingehender studiertworden, als das Sericin. Um das chemisch reine Fibroin darzustellen, ver-

*) Zur Genesis der Seide. Schweizer , polyt. Zeitschrift 1864. — s ) Bolley, Che-mische Technologie der Gespinstfasern.