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Zweiter Band.
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Das Fibroin. Hypothese seiner Bildung.

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fährt man nach Staedeler, wie folgt. Man übergiesst die Rohseide mitfünfprozentiger Natronlauge, giesst nach 24 Stunden ah, presst den Rück-stand aus uud wäscht ihn zuerst mit sehr verdünnter Salzsäure, dann mitWasser mehrmals aus *). Man erhält so etwa 42—50°/ 0 Ausbeute und dasFibroin in Faserform, das aber gänzlich den Glanz und die Weichheit derSeide verloren hat. Das durch andauerndes Auskochen der Rohseide mitWasser entbastete Fibroin, dessen Menge etwa 66°/ 0 beträgt (Cramer),

zeigt dagegen den vollen Glanz, ebenso

wie das durch Behandlung mit Seife

und Eisessig gewonnene,

Nachstehend sind

einige Elementaranalysen des

Fibroins zusammen-

gestellt.

Staedeler

Gerhardt

Cramer Schützenberger

C 48,60

48,53

48,39

48,60

H 6,40

6,50

6,51

6,30

N 18,89

17,35

18,40

18,70

O 26,11

27,62

26,70

26,25

Das Tussahfibroin enthält: C 47,18; H 6,30; N 16,85; 0 29,67.

Man hat der empirischen Formel des Fibroins bereits verschiedenartigenAusdruck gegeben und zwar C 15 H 2S N 5 0 6 (Staedeler), C l5 II 25 N 5 O e(Mulder), C n II 107 N 2i 0 25 (Schützenberger) etc., für das Tussah-fibroin C 15 II 25 N 5 0 7 .

Im allgemeinen stellen sich die empirischen Formeln, sowohl für dasFibroin als für das Sericin, denen des Albumins und Gelatins an die Seite.So differiert z. B. die Formel des Sericins von Bolley, welche übrigens zustark sauerstoffhaltig ist, von der Formel des Gelatins C 76 II 12 4 N 2i O ä9 vonSchützenberger nur um 0,01 °/ 0 , von der des Fibroins um 0,08°/ 0 ; dieHundtsche Formel des Gelatins C 6 II 10 N 2 0 2 um 0,03°/ 0 . In ihren Eigen-schaften und wahrscheinlich auch ihrer inneren Konstitution gleichen dasSericin und Fibroin sehr dem Gelatin. Bekanntlich betrachten Hundt u.a.die Albuminoidsubstanzen und speziell die aus der Gruppe des Gelatins alsNitrile der Cellulose, aus der sie durch Ammoniakzufuhr unter Wasserent-ziehung entstehen können:

C e H i0 0 5 + 2 NII S - 3 H 2 O = C e II, Q N 2 0 2 .

Diese Synthese wurde thatsächlich von Dusart, Schoonbrodt u. A.verwirklicht. Man kann nun aunehmen, dass ebensolche physiologischeAmmoniakzuführung durch den Lebensprozess im Organismus der Seiden-raupe hervorgebracht wird, und dass durch denselben die Umwandlung derdie Zellen der Maulbeerblätter umgebenden Holzsubstanz (fast reine Cellu-lose) in die Bestandteile der Seide bewirkt wird. Diese Hypothese hat in-

’) Annal. der Chemie und Pharm. Bd. 111 S. 12.