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Zweiter Band.
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Theorie der Absorptionserscheinungen, Färbeprozesse etc.

Lösung des gelben Blutlaugensalzes, die an die Seide, umgekehrt wie beider Wolle, nur das Wasser abgiebt.

Fast gegen alle Metallsalze zeigt die Seide ein ausgeprägtes Absorp-tionsvermögen; so werden aus den Lösungen des Baryt- und Kalkhydrats,des Bleinitrats, Quecksilberchlorids u. s. w. die Salze als solche, aus denbasischen Salzen die Basen und stärker basische Salze aufgenommen. FürLeim, Zucker, Glucose, Gerbstoffe und Farbstoffe besitzt die Seide eben-solche oder noch stärkere Affinität, als für anorganische Verbindungen.Allerdings übt die Natur des Bades bei diesen Absorptionsprozessen einenunverkennbaren Einfluss aus. So wird z. B. Gelatin aus alkalischer Lösungwenig und langsam, aus angesäuerter dagegen rasch und in grosser Mengeabsorbiert, die Absorption der Erdalkalisalze beschleunigt die Anwesenheitvon Ammoniak u. s. w. An anderer Stelle haben wir das Verhalten derSeide den Metallsalzen und Gerbstoffen gegenüber noch eingehender zu er-örtern. Während die Faser für die Tanningerbsäure ausgeprägte Affinitätbesitzt, fixiert sie die Muttersubstanz der ersteren, die Gallussäure bei einerTemperatur von 80° in einprozentigen Bädern gar nicht, in vierprozentigennach Vignon 7—8% vom Gewicht der Faser. Wenn man Seide auf eineLösung, die gleiche Mengen Tannin und Gallussäure enthält, einwirkenlässt, so scheint Gallussäure nicht fixiert zu werden. Das Gewicht der vonder Seide fixierten Substanz entspricht dem Gehalt der Flüssigkeit anTanningerbsäure. Für natürliche Farbstoffe und besonders für die Theer-farbstoffe besitzt die Seide bekanntlich von allen Textilfasern die grössteAffinität; das Auffärben geschieht mit grosser Schnelligkeit, besonders wennman das osmotische Vermögen der Seidenfaser durch Erwärmung erhöht.Allem Anschein nach treten beim Färben ausser molekularen keine chemi-schen, d. i. atomistischen Kräfte auf und kann infolgedessen dasselbe als einchemischer Prozess nicht aufgefasst werden. Dies geht mit einiger Sicher-heit schon daraus hervor, dass sich die meisten Färbungen wieder von derFaser abziehen lassen. Die Echtheit der Seidenfärbung hängt aller Wahr-scheinlichkeit nach von dem gegenseitigen Verhältnis der Molekulargrössedes Farbstoffs und der Faser ab, sowie der molekularen Zwischenräume derletzteren. Nur einige Erschwerungssalze, vielmehr Basen, gehen mit derSeide, namentlich dem Seidenbast, innigere Verbindungen ein.

Wollen wir den geschilderten Aufnahmeerscheinungen der Seide fürMetallsalze etc. auf den Grund gehen, so kann hier ein der physikalischenErscheinung der Dialyse analoger Prozess erblickt werden. Fast jede Salz-lösung, auch Farbstoffbad, darf nach den neueren Forschungen als in Baseund Säure dissoziiert betrachtet werden, beispielsweise das Thonerdesulfatin Thonerdehydrat und Schwefelsäure. Die meisten in Betracht kommendenBasen, wie die Thonerde, das Eisenhydroxyd etc., sind kolloidaler Naturund verbinden sich in wässriger Suspension nur schwierig mit der Seide,und wenn sie dies thun, so geschieht es durch Vermittelung des Wassersals eines Krystalloids. Von viel energischerer Wirkung als Krystalloid sind