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Konstitution der Seide.
Prof. Schützenberger vorgesclilagene Zersetzung des Moleküls auf demWege des Hydratierungsprozesses 1 ).
Wird ein Albuminoid mit Barythydrat unter Druck erhitzt, so tritteine Zersetzung des Moleküls ein, und man findet im Reaktionsproduktfolgende Produkte:
1. Ammoniak, quantitativ durch Abdestillieren und Titrieren mit Nor-malsäure bestimmbar.
2. Baryumsalze der Essigsäure, Oxalsäure, Kohlensäure, Ameisensäure(Spuren), welche Säuren durch Zersetzen der Salze mit Schwefelsäure undAbdestillieren bestimmt werden.
3. Einen Rückstand, dessen Zusammensetzung wesentlich von der Ein-wirkungsdauer, der Menge des angewendeten Barythydrats, der Tempera-tur etc. abhängt, im allgemeinen aber der empirischen Formel x(C„If 2 „N 2 O i )entspricht. Die üblich angewendete Menge des Barythydrats (Ba[OH\ 2+ 2 H 2 0), 3—5% der Albuminoidsubstanz, giebt je nach der Temperaturan die letztere mehr oder weniger Wasser ab unter gleichzeitiger Sprengungihres Moleküls. So fixiert das Fibroin bei 100° und mit wenig Baryt etwaso viel Wassermoleküle, als die halbe Anzahl seiner StickstofFatome beträgtund wird von seiner Zusammensetzung x(C„H 2m - s N 2 0 2 ) in einen Körperx (C m // 2 „ _ i N 2 0 3 ) übergeführt. Der letztere nimmt bei 150—200° nocheine Anzahl der Wassermoleküle, gleich der Hälfte seiner Stickstoffatome,auf und wird zu x{G m H 2m j rl N 2 O i ) u. s. w. Das Endresultat ist die Auf-nahme von so viel Wassermolekülen, als Stickstoffatome in einem komplexenMolekül des Fibroins enthalten sind.
Die Bildung der oben erwähnten Reaktionsprodukte lässt sich folgender-mafsen erklären. Die Entstehung von Ammoniak beruht auf der Hydra-tierung leicht gebundener Stickstoffatome. Die Kohlensäure und die Oxal-säure stammen wahrscheinlich von den CO- und CO —CO-Gruppen, dieEssigsäure vielleicht von der CH 3 . CO-Gruppe; da die Oxalsäure und Essig-säure stets in äquivalenten Mengen auftreten, so könnte man im Fibroin-molekül eine Tartramidbindung voraussetzen:
CO —NH.
I 2
{CH. OH) 2 + 2H t O = 2 NII a + CH, . COOII + ( COOII) 2 .
CO — N1I 2
Gleichzeitig entspricht 1 Molekül der gebildeten Säure 2 Molekülen Am-moniak, was auf eine Zersetzung der Atomgruppierung eines Oxamids, Cyan-amids oder Harnstoffs schliessen lässt:
CO(NH 2 ) 2 + 11,0 = C0 2 + 2 NH,
0 CONH 2 ) 2 + 2 II 2 0= C,H,O t + 2 NH,.
■) Compt. rend. de l’Ac. Sc. 1875. 80, 81; 1876. 82; 1877. 84; 1878. 86; 1885. 101;1886. 102; 1888. 106.