Band 
Zweiter Band.
Seite
269
JPEG-Download
 

Das Bleichen.

269

vom Gewicht 13,7 g bei 10° und 760 mm Hg und ist demnach beim spe-zifischen Gewicht der Lösung 1,096 ca. 1,25 prozentig. Um den Gewichts-prozentgehalt aus dem Volumengehalt zu ermitteln, dividiert man demnachden letzteren durch 8. Bei der Darstellung und Anwendung des Wasser-stoffperoxyds ist jede Berührung desselben mit Metallen sorgfältigst zu ver-hüten; es dürfen somit nur gläserne, irdene und hölzerne Gefässe benutztwerden. Beim Bleich prozess selbst wird die saure Reaktion der Wasser-stoffperoxydlösung mit Ammoniak, Magnesia oder Wasserglas neutralisiertund dem Bade eine schwach alkalische Reaktion verliehen. Wie bereitsangedeutet, nehmen die Säuren dem Wasserstoffperoxyd die Fähigkeit, sichin Wasser und Sauerstoff zu zersetzen und verhindern so eine bleichendeWirkung, während im Gegensatz hierzu alkalische Mittel, z. B. Borax, Am-moniak, Seife, Alkalisulfite, namentlich aber Magnesia dieselbe befördern.Die Kostspieligkeit der Superoxydbleiche lässt ihre Anwendung in denFällen unangebracht erscheinen, wo es andere billigere Verfahren giebt, wiees z. B. bei der Maulbeerseide der Fall ist. Bei der letzteren empfiehlt sicheine andere Bleichart um so mehr, als bei ihr mit Wasserstoffperoxyd keinebesseren Resultate erzielt werden, als mit Schwefeldioxyd. Nur in einemspeziellen Falle empfiehlt es sich, den Bleichprozess ausschliesslich mitWasserstoffperoxyd zu vollziehen, nämlich, wenn die Seide nachher mit Me-tallfäden zusammen verwebt werden soll. Da aus der mit schwefliger Säuregebleichten Seide nie deren letzte Spuren wegzuwaschen sind, so tritt beiBerührung derselben mit Metallen infolge der Bildung von Schwefelmetalleneine Schwärzung der Metallfäden ein. In neuerer Zeit wird auch das Na-triurasuperoxyd, ein in Wasser lösliches Produkt von stark alkalischer Re-aktion, in den Handel gebracht, das 20% aktiven Sauerstoff enthält, wäh-rend Baryumperoxyd 8 °/ 0 und Wasserstoffperoxyd (12 Volumen) nur 1,5 °/ 0aufweisen. Durch Einträgen von Natriumperoxyd in verdünnte Säure lässtsich direkt eine klare Lösung von H 2 0 2 (mit Alkalisalz vermischt) her-stellen, die in der üblichen Weise unter Zusatz von Ammoniak etc. ver-wendet wird. Weit vorteilhafter ist indessen die Anwendung des Nafrium-peroxyds ohne Zusatz von Säuren in einem neutralen Bade. Das Verfahrenist sowohl für Strang wie für Gewebe anwendbar und eignet sich speziellfür Chappe und Tussah. Das Natriumperoxyd muss vor Feuchtigkeit ge-schützt aufbewahrt werden; leicht oxydierbare organische Stoffe, wie Pa-pier , Holz etc. sollen besonders in nassem Zustande mit dem Produkt nichtin Berührung kommen. Vor Wasserstoffsuperoxyd besitzt das neue Bleich-mittel den Vorzug, haltbarer und bedeutend billiger zu sein. Für Maul-beerseide findet das Produkt, wie gesagt, noch wenig Anwendung, da estrotz der Neutralisierung die Faser nicht unbeträchtlich alteriert; die Chappe-gespinste werden dagegen vorteilhaft mit 12% Peroxyd unter Zusatz von36% Bittersalz gebleicht. Im Handel kommt das Natriumperoxyd entwederrein oder mit alkalibindenden und sauren Salzen vermischt unter verschie-denen Bezeichnungen vor, so Oxygenpulver, Bleichpulver, Peroxygen etc.;