Band 
Zweiter Band.
Seite
346
JPEG-Download
 

346

Stückfärberei. Seklenzeugdruckerei.

des Aufkochens oder Verstärkens des letzteren wird durch einen Wagenerleichtert, welcher unter die schwingende Walze geschoben wird, so dassdas Gewebe sich auf seiner durchlochten Plattform ablegt. Das Einlassenvon Dampf geschieht durch Röhren, deren Löcher nach beiden Enden derRöhren zu divergierend angebracht sind, um das Breithalten des Gewebeszu erleichtern. Beim Färben des Sammets legt man zwei Gewebe in derWeise zusammen, dass Flor auf Flor kommt, damit sich derselbe beimPassieren über die Walzen nicht niederlegt. Es giebt auch Färbemaschinenzum Färben von Sammet und Plüsch in ganzer Breite. Der Apparat vonHaubold ist mit einem Geradfiibrer versehen, einer Vorrichtung, die dasGewebe stets in der Mitte des Breithalters erhält.

Für dünne und leichte Gewebe, bei denen man Faltigwerden und Farb-knitter nicht zu befürchten hat, verdient der Vorschlag von Closel undBlanc Beachtung, das Gewebe der Länge nach zu einem Strang zusammen-zurollen, in einen leicht durchdringlichen Sack einznhüllen und in dieserForm im Strang auf dem Haspel zu färben; durch die Hülle wird jede Be-schädigung des Stoffes verhütet.

Es ist einleuchtend, dass auch das Spülen, Waschen und Ausschleudernder Seidengewebe in ausgebreitetem Zustande geschehen muss. Es sind zudiesem Zwecke Breitwaschmaschinen und Breicentrifugen konstruiert worden,deren Einrichtung aus den Figuren 142 und 143 zu ersehen ist.

* *

*

Die Seidendruckerei stand bis auf unsere Tage weit hinter der Woll-sowie namentlich der Baumwolldruckerei zurück. Die Ursache dieser Er-scheinung war sehr einfach; ein so schönes Material wie die Seide konntedurch den Zeugdruck, wie er damals in ziemlich unvollkommener Weisegehandhabt wurde, an Aussehen eher verlieren als gewinnen. Ausserdemkamen die hohen Webekosten bei dem kostbaren Material nicht so in Be-tracht, wie bei den anderen Fasern, wo der Arbeitslohn der Musterwebereiden Wert des Rohstoffes oft ums Zehnfache überstieg. Ein schwerwiegenderGrund, weshalb sich die Seidendrnckerei nicht entwickeln konnte, war auchdie Unkenntnis der Verfahren, nach denen die Seide mit echten Farbenbedruckt werden kann, während die Zeugdruckerei von Wolle etc. längstdarüber verfügte und auch die Seidenfärberei zwar wenig brillante, aberum so mehr widerstandsfähige Färbungen zu liefern vermochte. Erst in derNeuzeit, wo die Massenproduktion billiger glatter Seidenstoffe, namentlichaber Halbseidenstoffe, ungeahnten Aufschwung genommen hat, gewann derSeidendruck ein hohes technisches Interesse. Die Erfindungen auf demfärbenchemischen Gebiete und die technischen Vervollkommnungen desDruckverfahrens brachten eine entscheidende Wendung.

Von grosser Bedeutung für die weitere Entwicklung der Seidendruckerei