Seidenzeugdruckerei der Neuzeit.
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den Klotz unter einem vertikal stehenden und durch eine Gasflamme glühendgemachten Stift so zu bewegen, dass derselbe die Zeichnung haarscharf undgenau in das Holz eiubrennt. Für jede Farbe ist naturgemäss ein beson-derer Klotz notwendig. Nach den eingebrannten Vertiefungen, die gewöhn-lich einen Rapport des Musters darstellen, werden alsdann mit einer aus ge-schmolzenem Zinn und Blei bestehenden Mischung mehrere Abgüsse genommen.Die verschiedenen Rapporte werden nachher auf einem dem anzufertigendenModell entsprechenden Brettchen festgenagelt, die äusseren Kanten danngleichmässig abgeschliffen, seitlich von entstandenen Metallfäden sorgfältiggereinigt und alles überflüssige Zinn aus den Vertiefungen herausgeschnitten,um das Modell nicht unnötig zu erschweren. Diese Druckmodelle sind fürfeine Zeichnungen bestimmt, während für massige Effekte die Formen inBirnbaumholz ausgeschnitzt werden. Ein in jeder Hinsicht bequemeres undbesseres, doch nicht immer anwendbares Druckverfahren ist das mit derWalzendruckmaschine. Die Zeichnung jeder Farbe ist in ein besonderesMessingrouleau eingraviert, das in einem mit dieser Farbmasse gefülltenTrog angebracht ist oder die Farbe durch eine Streichbürste erhält. Einscharfes Messer (racle) streicht die auf der sich drehenden Walze haftendeFarbe von der Oberfläche genau und sauber weg, so dass die Farbe nur inden gravierten Vertiefungen haften bleibt und sich bei Berührung mit demzwischen der Walze und einer grossen, mit einer Baumwollunterlage ver-sehenen Trommel durchlaufenden Stoff abdruckt. Der bedruckte Stoff legtsich hinter der Maschine in von oben nach unten freihängende Schichten.Der Walzendruck ermöglicht neben der bedeutend grösseren Leistungsfähig-keit der Maschine, das Drucken feiner Zeichnungen, die beim Modelldruckteilweise ineinander verlaufen würden. Die Maschine kann mit 1—16 Drnck-walzen arbeiten; teilweise hilft man sich auch damit, dass mau einzelneFarben mit dem Handmodell uachdruckt.
Der Pflatschdruck grösserer Bodenfläclieu wird aus dem Grunde be-schränkt angewandt, weil der Stoff von den Verdickungsmitteln eine ge-wisse Menge dauernd festhält und sich dadurch steif anfühlt. Diese Er-scheinung, wiederum eine Folge des besonderen Verhaltens der Seide, trittim Baumwoll- und Wolldruck in ungleich geringerem Grade hervor. Ausdiesem Grunde hat sich in der Seideudruckerei das Verfahren eingebürgert,die Stoffe im ganzen zu färben und die Musterung durch Ätzen herzu-stellen. Immerhin findet der Pflatschdruck namentlich in den Fällen An-wendung, wo das Fixieren der Farbe im Färbebade unzulänglich ist, wie beieinigen erst durch Dämpfen zu stände kommenden Farblacken (Tannin-farben, Alizarineu) und ausserdem bei einigen Reserveverfahren, wovon nochdie Rede sein wird.
Für Artikel, wo einige Wasch- und Seifenechtheit verlangt wird, kom-men basische Farbstoffe in Form ihrer Gerbstofflacke zur Anwendung, einVerfahren, das für Halbseideustoffe durchgehends benutzt wird. Der Farb-stoff wird in Essigsäure gelöst, mit Gummi verdickt und mit der dreifachen