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Zweiter Band.
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Seidenzeugdruckerei der Neuzeit. 353

-orange, -braun etc. am besten im Seifenbade ausgefärbt. Für Alizarinblaunnd analoge Farbstoffe ist der Zusatz von Bisulfit und Soda neben der Seifeempfehlenswert. In England findet noch Indigo für Reserveartikel Verwen-dung, wo nach dem Aufdruck in der Küpe breit gefärbt, oxydiert, ge-säuert und heiss geseift wird. Eine hauptsächlich für Azo- und Baumwoll-azofarbstoffe gebräuchliche Reserve ist Zinnacetat oder Zinkhydrosulfit, die,um farbig statt weiss zu werden, mit basischen Farbstoffen, auf welche siekeine reduzierende Wirkung ausüben, versetzt sein können. Der Stoff wirddann mit der konzentrierten Farbflotte gepflatscht, getrocknet, gedämpftund gewaschen. Für die Tannindruckfarben kann ein Gemisch von Brech-weinstein, Zinnoxydpaste, Magnesiumacetat, Zinkvitriol und Essigsäure (nachKoechlin) als Reserve dienen, die mit basischen Farbstoffen versetzt, farbigsein kann. Über die Reserve wird die Tannindampffarbe mit starkemTanningehalt und nicht zu scharfer Pressung aufgedruckt, gedämpft, ge-waschen und mit BrechWeinstein fixiert. Die auf Seide aufgedrucktenTanninfarben machen diese für Farbstoffe weniger aufnahmefähig, dergestalt,dass ein mit Tanninrhodaminmuster bedrucktes Gewebe in einem kaltenBade mit Methylwasserblau z. B. gefärbt werden kann, ohne dass die rotenStellen den geringsten Schein von Blau annehmen. Es wäre schliesslichnoch der Reserve unter Anilinsehwarz zu gedenken, da dieselbe namentlichfür Halbseide von ziemlicher Bedeutung ist. Für farbige Effekte bedientman sich des Grefftonschen Verfahrens, welches darin besteht, dass manden Stoff mit Tannin und Brech Weinstein beizt, mit dem Gemisch vonAnilinsalz, gelbem Blutlaugensalz, Rhodanammonium und Chlorat pflatscht,vorsichtig trocknet und die mit essigsaurem Natron oder Kalk versetzteDampffarbe aufdruckt; beim Entwickeln des Schwarz durch nachfolgendesDämpfen bleibt das aufgedruckte Muster weiss bezw. farbig. Das Verfahrenlässt sich in der Weise vereinfachen, dass eine mit Natriumacetat versetzteTannindampffarbe vorgedruckt, darüber Anilinschwarz gepflatscht und ge-dämpft wird. Sehr kleine, scharfe und zarte Muster werden durch Vor-druck von mit essigsaurem Natron und Soda versetzten Albuminfarben(Zinnoberrot, Chromgelb etc.) reserviert. Als Reserve wird neuerdings auchdie Kieselsäure benutzt, indem der Stoff nach dem Aufdruck eines löslichenSilikats, z. B. von Wasserglas, und nach dem Trocknen durch ein Säurebadgeführt wird, wodurch an den bedruckten Stellen ein Niederschlag vonKieselsäure entsteht, der als Einhüllung der Faser dient. Dieses Verfahrenwird namentlich zur Erzielung broschierter Effekte verwendet.

Von grosser Bedeutung für die Seidendruckerei ist das Atzverfahren,wodurch man, unter Weglassung des Pflatschens, das, wie erwähnt, demGewebe einen unerwünscht harten Griff giebt, sehr scharfe Konturen er-zielen kann. Es würde zu weit führen, eingehender auf die verschiedenenAtzmethoden einzugeheu, was um so entbehrlicher wird, als dieselben fastdurchgehends mit denen der Wollendruckerei übereinstimmen. Daher mögenur das Allgemeine angeführt werden.

Silbermann, Die Seide. II.

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