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Schachmythologie.
Gram. In dieser Noth sollte sein weiser und scharfsinniger Minister Sas saRath schaffen. Dieser hatte das durch Alexanders Truppen erst neulicheingeführte (von einem alten griechischen Weisen, Hermes, erfundene),Schatrandschi Kämil oder ,,vollkommene Schach“ (das sogenannte „grosseSchach“ (des mogolischen Grosschans Timür, mit 10X11 = 120 Fel-dern!) kennen gelernt. Die Inder aber, „eine stupide und unwissendeRasse“, konnten dieses Spiel nicht capiren, und so entschloss sich Sassa,eingedenk des Wortes unseres Profeten Muhammed (!), sich nach indischemStumpfsinn zu richten und das Spiel des griechischen Weisen bis auf64 Felder zu vereinfachen. Das gelingt vortrefflich, Majestät sind entzückt,spielen Tag und Nacht Schach, folgen die Waizenkörner mit bengalischerBeleuchtung 10 ). II. „Es war einmal ein König in Indien , der hiess F u r(Porus). Er stirbt, sein einziger noch sehr jugendlicher Sohn wird vonFeinden umringt, sein erster Minister aber, Sassa Ihn Dähir kürzt das„Vollkommene Schachspiel“ zu einer Kriegsschule für den Fürsten ab, unddieser besiegt nun alle Widersacher. III. In Firdausi's epischem GedichtShäh-Nämeh wird erzählt, u. s. w. Folgt die Geschichte der Prinzen Gauund Talchand als zur Zeit des Königs Nüschirwän des Gerechten in Indien vorgefallen, aber mit Einschaltung des Sassa Ibn Dähir aus der erstenErzählung. Er zeigte der Königin-Mutter auf dem (reducirten ) Schachbrett,wie der besiegte Talchand an gebrochenem Herzen starb, bei welcher Ge-legenheit seine Umgebung ausrief: „Shäh mänd,“ d. h. der Prinz ist bisaufs Aeusserste gebracht 11 ). Die königliche Wittwe spielte darauf täglichSchach mit Sassa. Eigentlich, sagt Forbes, war Dähir der ältere und Sassader jüngere (das wissen wir aus der indischen Geschichte und „both ofthem lived nearly a Century after Naushiravänü), und wäre also DähirIbn Sassa wol richtiger, das ist aber eine Kleinigkeit. Schlimmer ist esallerdings, und einem Forbes sind solche Ungenauigkeiten besonders un-angenehm, dass der Anonymus so wenig Scrupel hat, seine Autoritäten (!)seinem Zwecke dienstbar zu machen. „For instance, in the third account— which, as he States, he has abriged from the poet Firdausi — he, withthe coolest effrontery, falsifies that eminent author’s State-ment. The great poet says not a word about Sassa, nor of the game
10 ) Auf diesem widerlichen moclern-orientalischon Geschmier beruht die übri-gens so ausgezeichnete Abhandlung Bland’s über das persische Schach! Auch beiihm steht, wie immer bei Schachlaien, das grosse Prudelschach als ursprünglichdem Normalschach als etwas Abgeleitetes entgegen. Ueberall wo die Abarten(Dreischach, Vierschach, Rundschach u. s. w.) grassiren, fehlt im Gegentheil immerder Schachgeist. Es ist ein wahres Unglück für unseren Gegenstand gewesen,dass die Gelehrten keine Schachspieler und die Schachspieler keine Gelehrtenwaren.
n ) Forbes, der pp. 60—71 die Erzählungen ausführlich mitthcilt, macht hierdie lächerliche Note: Shdh-mdnd is the genuine old Persian term (woso denn?),which the Arabs (!) changed into Shdh-Mät, the king is dead. The iatter expres-sion is less correct, for in reality the king at Chess is not killed; however, fromthe term Shdh-Mät, as used by the Arabs, comes, by various corrup.tions ourCheelc-Mate. u Der König wird wol geschlagen, aber er ist das entscheidendeStück und daher lässt man ihn, wenn er dem Angriff sich nicht mehr entziehenkann, einfach stehen. Jede andere Erklärung ist nicht mehr Schach, sondernSchachsymbolik,